Justizministerin fordert mehr Psychiater für Gefängnisse Gespräch: Marco Hadem, dpa (Foto - aktuell vom 28.3.) =
Forscher gehen davon aus, dass bis zu 70 Prozent der Strafgefangenen psychisch krank sind. Niedersachsens neue Justizministerin will deshalb mehr Psychiater hinter Gittern einsetzen und so die Resozialisierung verbessern.
Hannover (dpa/lni) - Zur erfolgreichen Resozialisierung von Häftlingen will Niedersachsens Justizministerin Antje Niewisch- Lennartz mehr Psychiater in Gefängnissen einsetzen. „Wenn man davon ausgeht, dass viele Straftaten in einem direkten Zusammenhang zu den Erkrankungen steht, ist dort ein hohes Resozialisierungspotenzial vorhanden“, sagte die Grünen-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. Bislang komme dieser Ansatz viel zu kurz. „Wir brauchen deshalb dringend ein Konzept zur Diagnose und Behandlung.“
„Wissenschaftler gehen davon aus, dass bis zu 70 Prozent der Strafgefangenen psychisch krank sind“, betonte Niewisch-Lennartz, die vor ihrer Berufung zur Ministerin als Vorsitzende Richterin am Verwaltungsgericht Hannover gearbeitet hat. Derzeit sitzen in Niedersachsen rund 5300 Männer und Frauen hinter Gittern. Um sie kümmern sich landesweit aber nur drei hauptamtliche Psychiater.
Der Anteil der Erkrankten hinter Gittern sei deutlich höher als in der normalen Bevölkerung, sagte die Ministerin. „Bislang wurde von einer deutlich geringeren Zahl psychisch erkrankter Straftäter ausgegangen.“
„Daraus kann man ableiten, dass auch die Straffälligkeit selbst auf die Erkrankungen zurückzuführen ist“, sagte sie. Bislang hätten viele Gefangene weder einen Zugang zu ihrer Erkrankung noch wüssten sie, dass diese Hintergrund für ihre Straftat sein könne.
„Das ist kein niedersächsisches, sondern ein grundsätzliches Problem“, sagte Niewisch-Lennartz. Kein Bundesland habe bislang ein Konzept dafür entwickelt. Der Anteil der psychisch Erkrankten in Haft sei so auffällig, „dass es dringend eine verbesserte Diagnostik und Behandlung geben muss“.
Notwendig sei neben dem Konzept aber auch eine ausreichende Zahl von Psychiatern. Trotz intensiver Werbemaßnahmen gebe es einen akuten Bewerbermangel. „Psychiatrie in Gefängnissen - das ist ja nicht unbedingt das Betätigungsfeld, wo die Kandidaten Schlange stehen.“
Die angespannte Haushaltslage in Niedersachsen und anderen Ländern dürfe keine Ausrede sein, das Problem nicht anzugehen. „Sicherlich kostet das auch Geld. Aber man muss bedenken, dass jeder Gefangene, der nicht wieder straffällig wird, ein großes Einsparpotenzial birgt. Jeden Hafttag, den wir sparen können, ist eine Einsparmaßnahme“, sagte Niewisch-Lennartz.
# dpa-Notizblock
## Orte - [Justizministerium Niedersachsen](Am Waterlooplatz 1, Hannover)
* * * * Die folgenden Informationen sind nicht zur Veröffentlichung bestimmt
## Ansprechpartner - Pressestelle Justizministerium Niedersachsen, +49 511 1205043
## dpa-Kontakte - Autor: Marco Hadem, +49 511 12405 132, <hadem.marco@dpa.com> - Redaktion: Thomas Struk, +49 511 12405122, <hannover@dpa.com> - Foto: Newsdesk, +49 30 2852 31515, <foto@dpa.com>
dpa had yyni a3 uk
Justizministerin fordert mehr Psychiater für Gefängnisse Gespräch: Marco Hadem, dpa (Foto - aktuell vom 28.3.) =
Forscher gehen davon aus, dass bis zu 70 Prozent der Strafgefangenen psychisch krank sind. Niedersachsens neue Justizministerin will deshalb mehr Psychiater hinter Gittern einsetzen und so die Resozialisierung verbessern.
Hannover (dpa/lni) - Zur erfolgreichen Resozialisierung von Häftlingen will Niedersachsens Justizministerin Antje Niewisch- Lennartz mehr Psychiater in Gefängnissen einsetzen. „Wenn man davon ausgeht, dass viele Straftaten in einem direkten Zusammenhang zu den Erkrankungen steht, ist dort ein hohes Resozialisierungspotenzial vorhanden“, sagte die Grünen-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. Bislang komme dieser Ansatz viel zu kurz. „Wir brauchen deshalb dringend ein Konzept zur Diagnose und Behandlung.“
„Wissenschaftler gehen davon aus, dass bis zu 70 Prozent der Strafgefangenen psychisch krank sind“, betonte Niewisch-Lennartz, die vor ihrer Berufung zur Ministerin als Vorsitzende Richterin am Verwaltungsgericht Hannover gearbeitet hat. Derzeit sitzen in Niedersachsen rund 5300 Männer und Frauen hinter Gittern. Um sie kümmern sich landesweit aber nur drei hauptamtliche Psychiater.
Der Anteil der Erkrankten hinter Gittern sei deutlich höher als in der normalen Bevölkerung, sagte die Ministerin. „Bislang wurde von einer deutlich geringeren Zahl psychisch erkrankter Straftäter ausgegangen.“
„Daraus kann man ableiten, dass auch die Straffälligkeit selbst auf die Erkrankungen zurückzuführen ist“, sagte sie. Bislang hätten viele Gefangene weder einen Zugang zu ihrer Erkrankung noch wüssten sie, dass diese Hintergrund für ihre Straftat sein könne.
„Das ist kein niedersächsisches, sondern ein grundsätzliches Problem“, sagte Niewisch-Lennartz. Kein Bundesland habe bislang ein Konzept dafür entwickelt. Der Anteil der psychisch Erkrankten in Haft sei so auffällig, „dass es dringend eine verbesserte Diagnostik und Behandlung geben muss“.
Notwendig sei neben dem Konzept aber auch eine ausreichende Zahl von Psychiatern. Trotz intensiver Werbemaßnahmen gebe es einen akuten Bewerbermangel. „Psychiatrie in Gefängnissen - das ist ja nicht unbedingt das Betätigungsfeld, wo die Kandidaten Schlange stehen.“
Die angespannte Haushaltslage in Niedersachsen und anderen Ländern dürfe keine Ausrede sein, das Problem nicht anzugehen. „Sicherlich kostet das auch Geld. Aber man muss bedenken, dass jeder Gefangene, der nicht wieder straffällig wird, ein großes Einsparpotenzial birgt. Jeden Hafttag, den wir sparen können, ist eine Einsparmaßnahme“, sagte Niewisch-Lennartz.
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Hannover - Zur erfolgreichen Resozialisierung von Häftlingen will Niedersachsens Justizministerin Antje Niewisch- Lennartz mehr Psychiater in Gefängnissen einsetzen. „Wenn man davon ausgeht, dass viele Straftaten in einem direkten Zusammenhang zu den Erkrankungen steht, ist dort ein hohes Resozialisierungspotenzial vorhanden“, sagte die Grünen-Politikerin der in Hannover. Bislang komme dieser Ansatz viel zu kurz. „Wir brauchen deshalb dringend ein Konzept zur Diagnose und Behandlung.“
„Wissenschaftler gehen davon aus, dass bis zu 70 Prozent der Strafgefangenen psychisch krank sind“, betonte Niewisch-Lennartz, die vor ihrer Berufung zur Ministerin als Vorsitzende Richterin am Verwaltungsgericht Hannover gearbeitet hat.
Mehr kranke Häftlinge
Derzeit sitzen in Niedersachsen rund 5300 Männer und Frauen hinter Gittern. Um sie kümmern sich landesweit aber nur drei hauptamtliche Psychiater. Der Anteil der Erkrankten hinter Gittern sei deutlich höher als in der normalen Bevölkerung, sagte die Ministerin. „Bislang wurde von einer deutlich geringeren Zahl psychisch erkrankter Straftäter ausgegangen.“
„Daraus kann man ableiten, dass auch die Straffälligkeit selbst auf die Erkrankungen zurückzuführen ist“, sagte sie. Bislang hätten viele Gefangene weder einen Zugang zu ihrer Erkrankung noch wüssten sie, dass diese Hintergrund für ihre Straftat sein könne.
„Das ist kein niedersächsisches, sondern ein grundsätzliches Problem“, sagte Niewisch-Lennartz. Kein Bundesland habe bislang ein Konzept dafür entwickelt. Notwendig sei neben dem Konzept aber auch eine ausreichende Zahl von Psychiatern. Trotz intensiver Werbemaßnahmen gebe es einen akuten Bewerbermangel. „Psychiatrie in Gefängnissen – das ist ja nicht unbedingt das Betätigungsfeld, wo die Kandidaten Schlange stehen.“
Behandlung statt Haft
Die angespannte Haushaltslage in Niedersachsen und anderen Ländern dürfe keine Ausrede sein, das Problem nicht anzugehen. „Sicherlich kostet das auch Geld. Aber man muss bedenken, dass jeder Gefangene, der nicht wieder straffällig wird, ein großes Einsparpotenzial birgt. Jeden Hafttag, den wir sparen können, ist eine Einsparmaßnahme“, sagte Niewisch-Lennartz.
