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Debatte Tierhalter sind in Angst vor Wölfen

Christina Sticht

Rodewald - Rund 50 Kilometer nördlich von Hannover sieht es vielerorts aus wie in der unberührten Natur. Das fast 200 Quadratkilometer große Revier des berüchtigten Rodewalder Wolfsrudels ist dünn besiedelt, die Kreisstraßen wenig befahren. Hier gibt es Pferdehöfe, Hobby-Halter von Ziegen oder Alpakas sowie Landwirte, deren Kühe die Kälber noch auf der Weide zur Welt bringen. Doch seitdem sogar Rinder und Ponys vom neuen Wolfsrudel in der Region angegriffen wurden, wächst die Angst.

„Eltern lassen ihre Kinder nicht mehr allein im Wald spielen“, sagt Tobias Göckeritz, Vorsitzender des Landvolkes Mittelweser. Auf Göckeritz’ einsam gelegenen Hof ist an diesem Tag ein Experte, der ein Angebot für eine wolfsabweisende Einzäunung der Pony-Koppel sowie zweier Weideflächen machen soll. „Um unsere Mini-Shettys haben wir richtig Angst. Auf die Weide dürfen die nicht mehr“, sagt der Landwirt auf dem Weg zu seiner idyllischen Moorwiese inmitten eines Birkenwaldes. Direkt am Hof lag 2018 ein weißes Dammwild mit durchbissener Kehle – gerissen vom Wolf.

Kinder haben Waldverbot

„Als Kinder haben wir alleine im Wald gespielt und Buden gebaut“, erzählt Göckeritz’ Tochter Philine Dieckmann. Ihren Töchtern, die erst dreieinhalb und eins sind, werde sie das wohl nicht erlauben. „Natürlich ist noch kein Kind angegriffen worden. Aber wer garantiert mir, dass das nicht passiert?“, fragt die Landwirtin.

Bis zu diesem Sonntag läuft die Abschussgenehmigung für den Leitwolf des Rodewalder Rudels. Obwohl das Tier streng geschützt ist, darf der Rüde mit der Kennung GW717m getötet werden, weil er wolfsabweisende Zäune überwunden und Rinder in einer Herde angegriffen hat. Voraussetzung ist, dass der Schütze im Auftrag des Landes ihn überhaupt finden kann. Das Umweltministerium hüllt sich zu seinem Vorgehen weiterhin in Schweigen. Auch lässt es offen, was passiert, wenn der Wolf bis Sonntag nicht zur Strecke gebracht worden ist.

Umweltminister Olaf Lies (SPD) beschwerte sich darüber, dass die Suche nach dem Leitrüden durch Leute gestört werde, die mit Kameras durch den Wald laufen. Holger Buschmann, Chef des Naturschutzbundes (Nabu) Niedersachsen, spricht dagegen von erfundenen oder aufgeputschten Geschichten. „Unserer Ortsgruppe ist nicht bekannt, dass die Suche nach dem Wolf gestört wird.“

Unbefriedigende Lösung

Das Töten des Leitwolfes wird die Angriffe nicht beenden – darüber sind sich Wolfsgegner und -freunde einig. „Da jagt ja kein Einzelwolf, das funktioniert nur in der Gruppe“, sagt Göckeritz. Auch Nabu-Chef Buschmann sieht in dem Abschuss keine Lösung. „Wir schätzen die Situation des Rodewalder Rudels inzwischen auch kritisch ein, weil es gelernt hat, junge Kälber und Fohlen zu töten“, sagt er. Ärgerlich sei, dass man nicht von Anfang an überall wolfsabweisende Zäune aufgestellt oder Herdenschutzhunde angeschafft habe.

Knut Hallmann, Bürgermeister der Samtgemeinde Steimbke, sieht sich als Schnittstelle zwischen Wolfsgegner und -befürworter. „Die Stimmung ist ein Stück weit gereizt“, sagt der SPD-Politiker. Dies habe auch damit zu tun, dass die Menschen am Ort keinen Einfluss auf die Entscheidungen aus Hannover nehmen könnten. Die Rückkehr des Wolfes sei verständlicherweise mit Ängsten verbunden.

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