Hannover - Niedersachsen fährt auf: Mehr als ein Dutzend Motorräder bilden die Polizeieskorte für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Ehefrau Elke Büdenbender. Dazu spielt das 40-köpfige niedersächsische Polizeiorchester. Mehr protokollarische Aufmerksamkeit geht nicht für den obersten Repräsentanten Deutschlands. Und Steinmeier revanchiert sich. Bestens gelaunt absolviert der Bundespräsident seinen Antrittsbesuch in der Landeshauptstadt – aus der er einst auszog, die Bundespolitik zu erobern.
Überall rote Flatterbänder, und Schnüffelhunde, die Kameras und Taschen kontrollieren auf versteckte Waffen und Sprengstoff – aber Steinmeier lässt erst gar keine Distanz aufkommen, geht auf die Wartenden zu, schütteln zahlreiche Hände. Ein Nostalgietrip. Denn natürlich kennt der ehemalige SPD-Politiker, dessen Parteibuch natürlich während der Amtszeit im Berliner Schloss Bellevue ruht, viele, die so freudig auf ihn zukommen. „Der Täter kehrt immer zum Ort seiner Tat zurück“, flachst der hohe Gast vor der Staatskanzlei. Dort, unterm Dachgeschoss, startete die Karriere des Juristen aus Detmold. Der Medienreferent stieg unter dem späteren Kanzler Gerhard Schröder schnell auf: Büroleiter, Chef der Staatskanzlei und später Chef des Kanzleramtes. Der Außenminister folgt später.
Ein altes Foto aus dem Jahr 1991 erinnert Steinmeier an die ersten Schritte in der Staatskanzlei. Das Bild zeigt den jungen Juristen mit den damals üblichen langen Haaren, farbenfrohem Anzug und grüner Brille. Ob so jemand heute auch eine Chance bekäme? Schröder gab sie ihm.
Heute sind die Haare weiß, der Anzug politisch korrekt dunkelblau und die Brille in der Fassung nachdenklicher Intellektueller. Alles stimmig. Nichts trübt den strahlenden Auftritt – weder das stürmische Wetter, die ständigen Regenschauer noch die edlen Gastgeschenke. Steinmeier freut sich ostentativ über die Gastgeschenke von Landtagspräsident Bernd Busemann (CDU): eine weiße Kaffeekanne und eine weiße Vase aus Fürstenberg. Ob die je in Schloss Bellevue zum Einsatz kommen? Man weiß nie.
Vielleicht will Busemann mit dem Porzellan nur eine Erinnerungsmarke setzen: Der Bundespräsident soll im November den neuen Plenarsaal des Landtags einweihen. Dafür wird ein Termin gesucht. Der Landtagspräsident macht noch ein Geheminis daraus. Ob Steinmeier hinter der kurz verschlossenen Tür die Zusage gibt? Abwarten.
Zwei Tage tourt Steinmeier durch Niedersachsen. Hannover, Göttingen, Varel, Wiesmoor und Norden – für Erinnerungen nimmt sich auch ein Bundespräsident Zeit.
