Hannover - Niedersachsens rot-grüne Landesregierung setzt verstärkt auf Präventionsarbeit im Kampf gegen gewaltbereite Islamisten im Land. „Uns allen ist bewusst, dass der Salafismus die derzeit dynamischste islamistische Bewegung ist“, betonte Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) bei der Bilanz zum einjährigen Bestehen der landesweit tätigen Beratungsstelle „beRATen“.
Insgesamt 74 Fälle bearbeitete das vierköpfige Team, dass künftig zusätzlich durch einen Mitarbeiter verstärkt wird. „Die Attraktivität der radikalen und zum Teil auch gewaltbereiten Ideologie des Salafismus ist kein religiöses, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem, dem wir entschlossen und frühzeitig entgegentreten müssen. Wir müssen unsere Jugend vor der Radikalisierung schützen“, lautet nach Rundt auch die zukünftige Aufgabe der Präventionsstelle, an die sich vor allem Familienangehörige, Schulen und Behörden gewandt haben.
Die Mehrzahl der betroffenen jungen Leute sind zwischen 18 und 24 Jahre alt, berichtet der Leiter der Beratungsstelle, Christian Hantel. Davon waren 74 Prozent Männer. Viele werden durch Propaganda im Internet angelockt oder durch die radikale Religiosität von Salafisten.
Die Zahl der radikal-islamischen Salafisten mit Schwerpunkten in Hannover, Wolfsburg, Braunschweig, Hildesheim und Göttingen steigt seit längerem und liegt derzeit bei rund 520. Mehr als 75 Islamisten aus Niedersachsen sind nach Erkenntnis der Behörden in Richtung Syrien und Irak ausgereist, etwa 25 von ihnen sind zwischenzeitlich zurückgekehrt.
Die Zahl der mutmaßlich in Syrien oder dem Irak im Bürgerkrieg ums Leben gekommenen Islamisten aus Niedersachsen liegt im niedrigen zweistelligen Bereich.
