Hambergen/Kiel - Er löste eine der größten Politaffären der Bundesrepublik aus und stürzte mit seinem Handeln zwei Ministerpräsidenten. Fast drei Jahrzehnte nach Bekanntwerden der „Barschel-Affäre“ ist mit dem früheren Medienberater Reiner Pfeiffer eine der Schlüsselfiguren gestorben. Das bestätigte der Samtgemeindebürgermeister von Hambergen, Reinhard Kock (SPD). Laut Medienberichten ist Pfeiffer bereits am 12. August in Hambergen im Alter von 76 Jahren gestorben. Sein Leichnam sei bereits eingeäschert worden.
Die „Barschel-Affäre“ hatte 1987 die Republik in Atem gehalten. Der Medienreferent des damaligen Kieler CDU-Ministerpräsidenten Uwe Barschel, Pfeiffer, hatte den SPD-Spitzenkandidaten Björn Engholm bespitzeln lassen und gegen ihn eine anonyme Steueranzeige lanciert und quälte ihn als angeblicher Arzt am Telefon mit einem fingierten Aids-Verdacht. Pfeiffer stellte Barschel später als Mitwisser und sogar Initiator dar. Barschel trat schließlich zurück.
Am 11. Oktober 1987 fand ein Reporter Uwe Barschel tot in einem Zimmer im Genfer Hotel „Beau Rivage“. Die bekleidete Leiche des CDU-Politikers lag in der Badewanne. Ob er sich das Leben nahm, ihm dabei jemand half oder ob er ermordet wurde, ist bis heute unklar. Sicher ist nur, dass Barschel an einem tödlichen Medikamentencocktail starb.
Für die SPD hallte die Affäre noch lange nach. Sechs Jahre später kam heraus, dass auch Engholm schon vor der Landtagswahl vom Treiben Pfeiffers wusste. Es kam auch heraus, dass der frühere SPD-Landeschef Günther Jansen dem Strippenzieher Pfeiffer 1988 und 1989 umgerechnet jeweils mindestens 10 000 Euro zugesteckt hatte – nach seiner Darstellung aus Mitleid, weil Pfeiffer nach der Affäre keine neue Chance bekam. Die SPD stürzte in eine Glaubwürdigkeitskrise und verlor in Engholm den Parteichef und Kanzlerkandidaten.
