Hannover - So laut war es lange nicht mehr vor dem Landtag in Hannover. Rund 5600 Schüler demonstrierten am Dienstag mit Plakaten, Trommeln und Sprechchören gegen die Bildungspolitik der rot-grünen Landesregierung. Sie forderten Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) auf, die geplante Mehrarbeit für Gymnasiallehrer zurückzunehmen. Die Ministerin selbst war nicht vor Ort. Auf den Parlamentstreppen beobachteten Landtagsvizepräsident Karl-Heinz Klare (CDU) den lausstarken Protest. Polizisten, die eine Kette auf der Treppe bildeten, schickten Schüler zurück, die sich zu weit nach oben vorwagten. Hier und da flog eine Klorolle, die Demonstration verlief aber absolut friedlich.
„Ich sag’s Mama. Die wählt euch nicht mehr“ stand auf einem der Plakate. „Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten“ auf einem anderen Plakat. Zwei Schülerinnen der Kooperativen Gesamtschule Neustadt hatten die Demonstration angemeldet. Die beiden 17-Jährigen befürchten eine Verschlechterung der Unterrichtsqualität und den Ausfall von Klassenfahrten. An dem Protest beteiligten sich Gymnasien aus der Region Hannover und Hameln. Eltern oder Lehrer waren kaum zu sehen.
Kritiker werfen den Lehrern vor, die Schüler für ihre Interessen zu instrumentalisieren. Das wiesen die Organisatoren zurück. Die Schüler solidarisierten sich vielmehr. Sollten die Lehrer eine Stunde mehr unterrichten müssen, werde es noch weniger Zeit für individuelle Lernförderung geben, hieß es.
Die Landesregierung hat beschlossen, die Unterrichtsverpflichtung von Gymnasiallehrern um eine auf 24,5 Stunden pro Woche zu erhöhen. Laut Philologenverband haben bereits die Personalräte von mehr als 50 der gut 290 Gymnasien beschlossen, Klassenfahrten und anderen freiwillige Zusatzarbeiten zu streichen. Auch die Lehrergewerkschaft GEW demonstriert gegen die rot-grünen Pläne.
Heiligenstadt wies darauf hin, dass die Mehrarbeit notwendig sei, um die 420 Millionen Euro umfassende Zukunftsoffensive Bildung zu finanzieren. „Wir werden zusätzliche Ganztagsschulen schaffen, wir werden die vorhandenen deutlich besser ausstatten.“ Die Grünen-Landtagsabgeordnete Ina Korter (Nordenham) erklärte: „Wir bitten die Lehrer, ihren Unmut nicht auf dem Rücken der Schüler auszutragen.“
Der CDU-Schulpolitiker Kai Seefried sagte, Frauke Heiligenstadt habe es in kurzer Zeit geschafft, dass Lehrer, Schüler und Eltern gegen den rot-grünen Bildungssparkurs auf die Barrikaden gingen. Nach Angaben der FDP gehen durch die angeordnete Mehrarbeit 750 Lehrerstellen landesweit verloren.
