Das Ergebnis mancher Umfragen liegt auf der Hand, lange bevor die Auswertung vorliegt. Dazu gehört auch die Antwort auf die Frage, ob die Deutschen sich Sorgen wegen der Schuldenkrise machen. Das Forschungsinstitut Forsa förderte jetzt offiziell zutage, dass 60 Prozent der Deutschen sich große oder gar sehr große Sorgen machen. Das überrascht keinen mehr.

Allerdings hält sich der öffentliche Protest über das europäische Schuldenmanagement bisher in Grenzen. Auf die Straße geht wegen des Themas kaum jemand. Dabei geht es in diesen Wochen um existenzielle Fragen, mindestens aber um unseren mittelfristigen Wohlstand.

Deutschland ist bereits für Griechenland, Irland (und eigentlich auch schon Portugal) Milliardenverpflichtungen eingegangen. Und es ist dabei, sich an einem Rettungsschirm zu beteiligen, der – zeitlich unbegrenzt – auf mehr als 150 Milliarden Euro an Garantien und eine zweistellige Milliarden-Bareinlage hinauslaufen soll. Noch vor der Sommerpause wird der Bundestag darüber abstimmen.

Man sollte genau hinschauen. Es geht um nicht weniger als um die Zustimmung zu einem (fast) automatischen Geldabfluss aus dem deutschen Etat im Krisenfall eines Euro-Staates. Die Budget-Hoheit des Parlamentes könnte damit weitgehend ausgehebelt werden. Und es könnte unglaublich teuer werden.

Bisher ist nämlich völlig offen, ob das Krisenbewältigungssystem wirklich wirkt: Ob es also die Schuldenstaaten in die Lage versetzt, mittelfristig wieder durchzustarten. Die Gefahr besteht, dass die Steuerzahler dauerhaft hohe Belastungen befürchten müssen, ohne dass sich grundlegend etwas ändert. Dies ließe sich wohl nur über echte Befreiungsschläge erreichen – die Abschreibung von Schulden. Diejenigen, die den Krisenstaaten des Profits wegen Geld geliehen haben, hatten lange genug Zeit, sich darauf einzustellen, dass sie einen Teil des Einsatzes verlieren werden, oder? Den finnischen Sturköpfen sei gedankt: Sie zeigen, dass sich nicht jeder im soliden Euro-Kern alles bieten lassen will.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)