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Kultusministerin zieht Bilanz Unterrichtsversorgung in Niedersachsen zeigt sich nur leicht verbessert

Erläutert die Unterrichtversorgung in Niedersachsen: Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne), spricht auf einer Pressekonferenz.

Erläutert die Unterrichtversorgung in Niedersachsen: Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne), spricht auf einer Pressekonferenz.

Frankenberg/dpa

Hannover - Ist der Negativ-Trend gestoppt? Erstmalig seit 2019 hat sich der rechnerische Wert der Unterrichtsversorgung an den allgemeinbildenden Schulen in Niedersachsen verbessert. Der Durchschnittswert stieg zum Abschluss des ersten Halbjahres um 0,6 Punkte auf 96,9 Prozent, teilte Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) am Mittwoch in Hannover mit. Ihr sei weiterhin klar, dass es an einzelnen Schulen weiter massive Personalengpässe gebe.

Die Schulformen

Ja nach Schulform variiert der Wert der Unterrichtsversorgung. Am besten stehen die Gymnasien mit 99,6 Prozent (2022: 98,2 %) dar, gefolgt von den Grundschulen mit 98,7 % (2022: 98,8 %). Die schlechtesten Werte erzielen Hauptschulen (92,1 %; 2022: 91,8 %) und Förderschulen (91,6 %). Die Zahl der Schülerinnen und Schüler stieg um 8964 auf nun 821 376 landesweit.

Elternrat warnt vor Wegfall von Klassenfahrten

Klassenfahrten sind in Niedersachsen nach Darstellung des Landeselternrats (LER) wegen Personalmangels vermehrt gefährdet. „Aufgrund der hohen Belastung im Schulalltag und den täglichen Aufgaben neben der Unterrichtsverpflichtung scheinen nicht mehr alle Lehrkräfte gewillt oder auch in der Lage, diese zusätzliche Arbeit in Schulfahrten zu investieren“, sagte LER-Landesvorsitzender Michael Guder am Mittwoch in Hannover. Zudem seien Reisekosten gestiegen. Klassenfahrten würden deswegen vermehrt gekürzt oder komplett gestrichen. Mit ausfallenden Klassenfahrten gingen „wertvolle Lernerfahrungen, Teamfähigkeit und soziale Interaktionen verloren, die für das spätere Leben eine große Bedeutung haben“, so Guder weiter.

Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) wies auf die Bedeutung von Klassenfahrten hin. Es könne sein, dass Fahrten aufgrund von Personalmangel nicht stattfänden. Dies sei aber kein Trend fürs ganze Land. Ein Problem sei die Preissteigerung. Das Wirtschaftsministerium wolle gegensteuern, indem es die Grenzen für die Leistungsvergabe erhöhe.

Die Relationen

Verbessert werden konnte laut Ministerium die „Lehrer-Schüler-Relation“: Diese gibt an, wie viele Lehrerstunden tatsächlich bei den Schülerinnen und Schülern ankommen. Dieser Wert liegt bei 1,673 im Schuljahr 2023/2024 (Vorjahr: 1,656). Der Wert lag im Schuljahr 2012 nur bei 1,550. Das spiegele die gestiegenen Ansprüche an den Unterricht, etwa mit Förderstunden, wider.

Die Lehrkräfte

Die bessere Unterrichtsversorgung sei unter anderem auf gute Einstellungsdurchgänge zurückzuführen. Im Kalenderjahr 2023 wurden laut Hamburg 2563 Lehrkräfte neu eingestellt – rund 400 mehr als in Pension gegangen sind. Hinzukamen umgerechnet noch 146 Stellen, weil Lehrkräfte, die bislang Teilzeit nutzten, ihre Stunden erhöht haben. In diesem Schuljahr kamen 85 dazu. Zum zweiten Schulhalbjahr seien 1178 Stellen für Lehrkräfte ausgeschrieben worden – davon waren laut Hamburg am Mittwoch bereits 883 besetzt. Der größte Bedarf bestehe weiterhin in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern, aber auch bei Kunst und Sport. Laut Hamburg zeige die Besoldungsanhebung für Lehrkräfte an Grund-, Real- und Hauptschulen auf A 13 erste Wirkung. Viele junge Lehrkräfte wollten in Niedersachsen bleiben.  

Das Einstellungsverfahren bleibe über den 1. Februar hinaus geöffnet. Zusätzlich sollen in den kommenden Monaten Möglichkeiten zum Quereinstieg in den Lehrberuf verbessert werden, kündigte die Ministerin an.

Weiteres Personal

Neben Lehrkräften setzt das Land immer mehr nichtlehrendes Personal an Schulen ein. Auch hier wurde ein neuer Höchststand erreicht: rund 17 100 Beschäftigte Mitte 2023, die jede Woche gut 235 000 Arbeitsstunden leisten. Um insbesondere Studierende als Betreuungspersonal zu holen, hat das Land im 1. Halbjahr 200 Stellen finanziert. Die Mittel wurden vollständig ausgeschöpft. Für das 2. Halbjahr stehen weitere 150 „Vollzeit-Einheiten“ zur Verfügung. Seit Beginn des Ukraine-Krieges konnten 770 befristete Personalmaßnahmen für pädagogische Mitarbeiter umgesetzt werden. Auch konnte zwischen den Jahren 2018 und 2023 die Anzahl der sozialpädagogischen Fachkräfte auf rund 1600 Beschäftigte mehr als verdoppelt werden.

Die Berufsschulen

Im Bereich der Berufsbildenden Schulen (BBS) wurden 2023 insgesamt 471 Lehrkräfte neu eingestellt (Vorjahr: 470); zeitgleich gingen mit insgesamt 357 Lehrkräften deutlich weniger in Pension (Vorjahr: 410). Der Überhang sei dringend erforderlich: Allein in der Berufseinstiegsschule sei die Anzahl an Schülerinnen und Schülern um rund 1600 (14,3 Prozent) gestiegen. Gründe dafür sind laut Hamburg unter anderem die Migrations- und Fluchtbewegung. Deshalb legt die Kultusministerin einen deutlichen Fokus auf den Auf- und Ausbau multiprofessioneller Teams an den BBS. Einschließlich der BBS liegt die Gesamtzahl der Schülerinnen und Schülern in Niedersachsen bei rund 1.056.000. Etwa 81.000 Lehrkräfte gibt es im Land.

Die Reaktionen

Die Verbesserung von 0,6 Prozentpunkten bei der Unterrichtsversorgung sei keine Trendumkehr, sondern stehe für Stagnation, sagte GEW-Landeschef Stefan Störmer. Viele Schulen warten weiterhin auf den Einsatz multiprofessioneller Teams und das IT-Fachpersonal, so Torsten Neumann vom Verband Niedersächsischer (VNL) Lehrkräfte. „Es ist einfach nichts passiert, was die Situation verbessert“, erklärte Christian Fühner, der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. Fühner forderte einen Kraftakt der gesamten Landesregierung. Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Lena Nzume aus Oldenburg, betonte: „Die Fokussierung auf den Auf- und Ausbau multiprofessioneller Teams an den berufsbildenden Schulen ist ein vielversprechender und wichtiger Schritt zu einer inklusiven Bildung.“

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent
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