Hannover - Naiv oder fahrlässig? Die Messerattentäterin vom Bahnhof in Hannover, Safia S. (16), die im Februar 2016 einen Polizisten lebensgefährlich verletzte, diente zuvor dem niedersächsischen Verfassungsschutz in Schulungen als warnendes Beispiel für die Radikalisierung junger Menschen durch islamistische Hassprediger wie Pierre Vogel. Das bestätigte die Abteilungsleiterin Vera Kleine am Freitag im Islamismus-Ausschuss des Landtags.

Die CDU reagierte fassungslos. „Und niemand kam auf die Idee, sich um das Mädchen zu kümmern!“ prangerte der CDU-Innenpolitiker Jens Nacke schwerwiegende Versäumnisse an: „Der Verfassungsschutz war ahnungslos, als Safia S. schließlich in die Türkei ausreiste.“ Jetzt wartet die 16-Jährige in der JVA Vechta auf ihren Mordprozess vor dem Oberlandesgericht in Celle.

Dass sich die IS-Sympathisantin Safia S. vor ihrem Attentat trotz der Kenntnisse des Verfassungsschutzes „derart unbehelligt bewegen konnte, war nur möglich, weil der Verfassungsschutz offensichtlich die Anweisung erhalten hatte, Minderjährige nicht mehr zu erfassen“, glaubt Nacke. Kleine räumte ein, dass man bei der Speicherung von Minderjährigen „sensibel“ vorgegangen sei.