Delmenhorst - Vier Monate lang haben die Piraten einen Spitzenkandidaten gesucht, drei Parteitage waren nötig. Um halb vier am Sonnabend war es dann endlich soweit – nach zwei Stunden bangem Warten, vielen Gerüchten über Pannen und einem Einspruch, der zurückgezogen wurde. In der Delmenhorster Nordwolle verkündete der Wahlleiter den lange ersehnten Namen: Meinhart Ramaswamy (59) soll die Netzpartei in den Landtagswahlkampf 2013 führen. Eine erneute Blamage war vermieden. „Jetzt können wir richtig losstarten“, sagte der Spitzenkandidat und gab sechs Prozent plus X als Wahlziel aus. Ramaswamy hatte am Ende vier Stimmern Vorsprung vor Konkurrentin Katharina Nocun.
Dabei hatte der Parteitag wieder einmal mit Verwirrung um die Formalien begonnen. Ein Zusatzkandidat musste ausgelost werden, um 30 Leute auf der Liste zu haben. Dann stellte sich heraus, dass der im Urlaub weilte. Kurze Unsicherheit, aber der Vorstand sah kein Problem.
Der Piratenvorstand wollte eine erneute Anfechtung des Wahlergebnisses mit allen Mitteln vermeiden. „Ich möchte nicht, dass hier jemand nicht ordentlich akkreditiert ist. Wer Zweifel hat, sollte jetzt nach vorne kommen“, appellierte der Wahlleiter an die 166 Stimmberechtigte im Saal. Bei den Parteitagen in Nienburg im April und Wolfenbüttel im Juli hatte es bei den Listenwahlen fatale Formfehler gegeben. „Alles wird gut heute“, war sich Landeschef Andreas Neugebauer diesmal sicher. Bundespiratenchef Bernd Schlömer war extra gekommen. Die „Parteirebellen“ Carsten Schulz und Volker Schendel aus Hannover waren fern geblieben.
In Delmenhorst hatte jeder Kandidat eine Minute Zeit, sich vorzustellen. Die Mitglieder konnten für jeden Kandidaten mehrere Stimmen vergeben. Meinhart Ramaswamy, der in Nienburg bereits als vermeintlicher Spitzenkandidat gefeiert worden war, gab sich siegessicher. „Gebt unserem Spitzenkandidaten ein klares Votum“, rief er.
Bei der Vorstellung der 30 Kandidaten hörte man plakative Slogans. „Machen statt labern“, wollte einer. Er habe Bock auf Wahlkampf, sagte ein anderer. „Ich will mir für euch den Arsch aufreißen“ toppte alles. Als es endlich ans Abstimmen ging, mahnte der Wahlleiter, sich hinten in der Schlange vor den Wahlkabinen anzustellen, nicht zu drängeln und nicht zu schubsen. „Bitte nicht die Kugelschreiber klauen.“ Am Sonntag konnten sich die Piraten endlich den 240 Programmanträgen zuwenden.
