Ursula von der Leyen
, geboren am 8. Oktober 1958 in Brüssel, ist seit November 2005 Bundesfamilienministerin. Die CDU-Politikerin war zuvor Sozialministerin in Niedersachsen (seit 2003). In dieser Zeit war sie auch Mitglied des Niedersächsischen Landtages.Von 1987 bis 1992
arbeitete Ursula von der Leyen nach abgeschlossenem Medizinstudium als Ärztin an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). 1991 erwarb sie den Doktortitel.Nach einem USA-Aufenthalt
kehrte sie 1996 an die MHH zurück und arbeitete dort bis 2002 in der Abteilung für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung.Ihre Polit-Karriere
begann Ursula von der Leyen 1996, zunächst in der Kommunal-, später in der Landespolitik. Sie lebt mit ihrem Ehemann, dem Medizin-Professor Heiko von der Leyen, und ihren gemeinsamen sieben Kindern in Sehnde bei Hannover.Von Olaf Reichert,
Redaktion Berlin
Café Luise, 12.45 Uhr. Mit schnellen Schritten betritt Ursula von der Leyen das Lokal an der Luisenstraße Ecke Schumannstraße in Berlin-Mitte. Sie hat nur wenig Zeit an diesem Freitag, denn bald geht ihr Zug, der sie nach Hause bringt. Raus aus Berlin, der Stadt, die sie kaum kennt. „Nur einen kleinen Winkel“, sagt sie zwischen hastigen Bissen von einem Vollkornbrötchen und gelegentlichen Schlucken aus einem Glas Latte Macchiato.Ursula von der Leyen nutzt gern die schnelle Bahnverbindung zwischen Hannover und der Hauptstadt. Nur eineinhalb Stunden braucht der ICE. „Deshalb war ein Umzug auch kein Thema“, sagt sie. Wenn sie in Berlin übernachtet, schläft sie bescheiden in einem Zimmer mit Bad und Kochnische im Ministerium am Alexanderplatz.
Das Café Luise gefällt ihr. Ledersessel und Tischplatten aus Marmor sorgen für Atmosphäre. Allerdings gilt hier Selbstbedienung. Halb Kaffeehaus, halb Kantine. Diesen Mix aus Tradition und Moderne will auch sie verkörpern, die Bundesfamilienministerin, die stets als Bundessupermutter präsentiert wird: erfolgreiche Ärztin und Politikerin mit harmonischem Familienleben und – vor allem – sieben Kindern.
Nervt diese Reduzierung nicht? „Nerven ist nicht das richtige Wort“, sagt von der Leyen und beginnt einen oft gehaltenen Vortrag: Von dem verkrampften Verhältnis der Deutschen zu jungen Müttern, die arbeiten wollen. Von dem schlechten Gewissen, das ihnen anerzogen und eingeredet wird. Vom Ausland, wo auf unterschiedlichste Weise Kinder- und Berufswunsch miteinander in Einklang gebracht werden, wie sie Gleiches hier erreichen möchte – und von ihrer eigenen Geschichte: „Ich habe erfahren, wenn ich zäh und hartnäckig arbeite, dann guckt keiner mehr auf meine Familie.“
In Niedersachsen begann ihre steile Karriere. Christian Wulff holte sie vor der Landtagswahl 2003 in sein Schattenkabinett. Nach der Regierungsübernahme wurde sie Sozialministerin. 2005 wiederholte sich die Geschichte, diesmal holte sie Angela Merkel. Es folgte der Wechsel von einer CDU/FDP-Koalition im Land in eine Große Koalition im Bund. Ein Problem? „Nein, ein Kabinett steht und fällt, mit dem Maß, wie geschlossen es sich verhält“, meint die CDU-Politikerin und lobt die Frontleute der Regierungspartner. „In Hannover ist Walter Hirche der Stabilitätsfaktor. In Berlin hat Franz Müntefering diese Rolle.“
Ratschläge ihres Vaters, dem ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht, sind inzwischen überflüssig. „Das geht über ein ,Mach nicht zu viel, Mädchen‘ nicht hinaus“, sagt von der Leyen, die sich an die Berliner Gangart gewöhnen musste. Die Angriffe vom Anfang des Jahres haben sie verletzt. „Ich dachte, ich hätte 100 Tage Schonfrist.“ Was macht sie, wenn es zu heftig wird? „Weniger Zeitung lesen. Das ist nötig, um das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.“ Und die Familie hilft. „Bei ihr finde ich die gesunde Distanz“, sagt die 47-Jährige. „Inzwischen habe ich verstanden, dass ich für viele nur eine Projektionsfläche bin.“
Nach 45 Minuten ist das Brötchen verspeist, der Kaffee getrunken, das Gespräch beendet. „Sind wir im Zeitplan?“, fragt sie ihre Sprecherin Iris Bethge. Die nickt beruhigend. Ein makelloses Lächeln zum Abschied. Dann geht's im Sturmschritt zum Zug, der sie raus bringt aus Berlin und hin zur Familie.
Serie wird fortgesetzt
