Redaktion Berlin
Wenn Angelika Brunkhorst aus dem Fenster ihrer Wohnung im Berliner Stadtbezirk Mitte schaut, hat sie die jüngste deutsche Geschichte greifbar vor Augen. Das Mehrparteienhaus, in dem die FDP-Bundestagsabgeordnete aus der Nähe von Wildeshausen eine Zwei-Zimmer-Wohnung hat, steht auf dem ehemaligen Todesstreifen. „Es ist schon faszinierend, wenn man die Geschichte so hautnah erfährt", sagt die 50-Jährige. Ihr Lieblingsplatz ist die Küche. Dort erzählt sie von ihrer Arbeit.Als Nachrückerin für den jetzigen niedersächsischen Umwelt-Staatssekretär Christian Eberl ist sie im März 2003 erstmals in den Bundestag gekommen. Sie vertritt den Wahlkreis 29 (Delmenhorst/Wesermarsch/Oldenburg-Land). Umweltpolitik habe sie von je her interessiert, sagt die Sozialwissenschaftlerin. Und so sei sie mehr als zufrieden gewesen, ihre Kenntnisse auch in ihre parlamentarische Arbeit
einbringen zu können. Seit 2003 ist sie Mitglied im Umweltausschuss des Bundestages. Mit Beginn der neuen Legislaturperiode führt sie die Gruppe der FDP-Vertreter im Ausschuss als Obfrau an. Als Sprecherin der FDP-Fraktion für Erneuerbare Energien hat sie ein Niedersachsen besonders betreffendes Thema als Spezialgebiet. Dass die liberale Umweltfachfrau mehrfach „zähe Verhandlungen“ mit den Wirtschaftsexperten ihrer Fraktion führen musste, spornt sie nur noch mehr an.
„Viel Papierkram“ hat Angelika Brunkhorst zu bewältigen. Vorlagen, Gesetzentwürfe, Berichte müssen gesichtet und bewertet werden. Besonders aufmerksam, so die FDP-Frau, müsse man auf Pläne der EU schauen, die teils direkt aus Brüssel, teils über die Bundesländer den Ausschuss erreichen. Dabei ist der Termindruck hoch. „Manchmal merkt man, Mensch, da hätte ich viel früher von wissen müssen“, klagt Brunkhorst. Um das zu vermeiden, hält sie engen Kontakt nach Brüssel. Jüngst erreichte sie das Gerücht, die EU plane, Kleinkläranlagen zu verbieten. „Da bin ich dran, das muss man abklären."
An das neue Verhältnis zur Union, dem langjährigen engen Verbündeten, musste sie sich erst noch gewöhnen, sagt die dreifache Mutter (die älteste Tochter Jasmin (20) ist gerade erst ausgezogen). „Klar ist das merkwürdig, wenn die langjährigen Partner nun auf einmal Gegner sind.“ Aber man ist vorsichtig mit dem Porzellan zerschlagen. „Das muss schon etwas bringen, wenn man etwas zugespitzt unter die Leute wirft.“
