Hannover - Warum sehen selbst ernannte Wahlsieger an diesem Montag nach der Kommunalwahl doch recht zerpflückt aus? „Klar stärkste politische Kraft“, feiert CDU-Generalsekretär Ulf Thiele die Ergebnisse für die Union. SPD-Parteimanager Detlef Tanke schwärmt von „hervorragenden Landratswahlen“. Grünen-Parteichef Stefan Körner preist das „zweitbeste Landesergebnis“ in der Geschichte der Grünen. FDP-Generalsekretär Gero Hocker weist auf die „flächendeckenden Zugewinne“ hin. Und Niedersachsens AfD-Chef Armin-Paul Hampel, der mindestens in Hameln die Kommunalwahl anfechten will, ist einfach glücklich über ein „tolles Ergebnis“. Keine Verlierer?

Die Wahrheit kennt auch andere Facetten dieses Wahlsonntags. Die CDU büßt nach einem historisch schlechten Abschneiden 2011 weitere Prozentpunkte ein. Die SPD verliert am meisten und bekommt in Emden eine regelrechte Klatsche. In der Keimzelle der Nachkriegs-Sozialdemokraten, Hannover, büßt die Partei selbst eine rot-grüne Mehrheit ein. Schwere Einbußen auch für die Grünen in Hannover und dem Umland. Knapp rettet sich die Ökopartei auf ein zweistelliges Ergebnis nach riesigen Gewinnen 2011 im Zuge der Atomkatastrophe von Fukushima.

Die AfD auf Platz vier verpasst die angestrebte Zweistelligkeit klar und bleibt in Niedersachsen weit weg von Resultaten wie in Mecklenburg-Vorpommern. Die FDP wollte die Zahl der Mandate verdoppeln. Das Ziel verfehlen die Liberalen klar– trotz Zugewinnen in fast allen Regionen.

Das Wundenlecken der Parteien und das ehrliche Aufarbeiten der Ergebnisse, die ihnen die Wähler verpasst haben, wird wohl noch einige Tage dauern. Überall stehen Klausurtagungen der unterschiedlichen Gremien im Terminkalender. Die CDU muss ihre anhaltende großstädtische Schwäche analysieren, die SPD das Auseinaderklaffen vieler Einzelergebnisse. Und warum hat die AfD der SPD gerade bei den kleinen Leuten so viele Stimmen weggenommen und der konservativ-ländlichen CDU nicht? Tanke hat keine Antwort. Er wirkt ratlos. Nur beim Thema Flüchtlinge der AfD hinterherzulaufen, bringe nichts. „Wir müssen uns in der SPD fragen, welche Botschaften wir in Zukunft senden wollen“, beschreibt er anstehende Diskussionen in der Partei.

„Es geht darum, die AfD zu entzaubern“, gibt Ministerpräsident Stephan Weil, zugleich SPD-Landeschef, seinen Genossen bereits am Montagmorgen als Hausaufgabe für die nächsten Monate mit auf den politischen Weg.

CDU-Generalsekretär Thiele schließt jedenfalls jede Zusammenarbeit mit der AfD auf kommunaler Ebene aus. Auch zur „Mehrheitsfindung“ in Sachfragen wird die Alternative nicht gebraucht von der Union, versichert Thiele.

Dass die AfD „in der Fläche“ Probleme hatte, gibt Parteichef Hampel zu. Lag’s nur daran, dass Dörfer und kleine Gemeinden im Gegensatz zur Stadt wenig Platz für Anonymität lassen und es deshalb schwieriger ist, AfD-Kandidaten zu gewinnen? Für eine „extremistische Partei“, wie Hocker die Rechtspopulisten geißelt.

Der FDP-Generalsekretär sieht die Wahlstrategie seiner Partei bestätigt: „Die Wähler suchten eine Alternative zur Großen Koalition in Berlin – ohne die populistischen Antworten der AfD“, glaubt er. Auf diesem Weg will die FDP weitergehen.

Bei den Grünen gibt’s kein Weiter-so, macht Parteichefin Meta Janssen-Kucz noch in der Wahlnacht klar. Die Partei müsse über das Themenangebot für die Bürger ebenso sprechen wie über die Mobilisierung vor Ort, mahnt Janssen-Kucz, die im Gegensatz zu ihrem „Ko“ die Enttäuschung nicht verbirgt.