Die SPD ist stolz auf ihre Geschichte, an einer Erneuerung kommt sie aber angesichts schlechter Wahlergebnisse und sinkender Mitgliederzahlen nicht vorbei. Darüber können auch die Wahlergebnisse in Hamburg und Bremen nicht hinwegtäuschen. In den Flächenländern finden die Sozialdemokraten immer weniger Zustimmung, im Osten müssen sie mit den Linken um Wählerstimmen ringen, im Westen laufen ihnen die Grünen den Rang ab. Die Umfragewerte auf Bundesebene sind ernüchternd. Auch das hohe Durchschnittsalter der Parteimitglieder von fast 60 Jahren bereitet der Parteispitze Kopfzerbrechen. Die Jugend wählt lieber grün als die alte Tante SPD.

Bundeschef Sigmar Gabriel sieht die Lösung in einer Öffnung der Partei, hat die Rechnung offenbar aber ohne die Basis gemacht. Die Landesverbände lehnen vor allem die Beteiligung von Nichtmitgliedern bei der Auswahl von Kandidaten ab. Beim Landesparteitag zeigten die Niedersachsen ihrem ehemaligen Ministerpräsidenten und Fraktionschef die rote Karte. Gegenwind kommt auch aus Hamburg. Dass Gabriel ausgerechnet bei einer Veranstaltung in der Hansestadt über den Mitgliederschwund lamentiert hatte, passte seinem Parteivize Olaf Scholz nicht in den Kram. In Wolfsburg präsentierte er die Quittung.

In der SPD sorgt vor allem der Zeitpunkt des Vorstoßes für Unmut. Die Partei muss sich nun wieder öffentlich mit sich selbst beschäftigen anstatt der Konkurrenz beim Wunden lecken zuschauen zu können. Für eine Organisationsreform gibt es in der SPD durchaus eine breite Zustimmung, auch für Diskussionsforen mit Nichtmitgliedern. Ein Wahlrecht geht den meisten aber zu weit. Das ist verständlich, weil es einer Entwertung der Mitgliedschaft gleich käme. Ob die SPD so mehr Wähler gewinnen würde ist fraglich, mehr Parteimitglieder ganz bestimmt nicht.

In Niedersachsen sind Urwahlen und Mitgliederentscheide längst ein großes Thema, etwa wenn es um Parteivorsitz oder Spitzenkandidatur geht. Doch die Mitgliederstärkung reicht Gabriel offensichtlich nicht.