Hannover - Neue Vorwürfe gegen Agrarminister Christian Meyer (Grüne): Diesmal geht es um den Verdacht der Vetternwirtschaft. Die Opposition hält Meyer vor, er habe dem ehemaligen Bioland-Präsidenten Thomas Dosch einen Abteilungsleiter-Posten in seinem Ministerium zugeschanzt und sei dabei auch sehr eigenwillig mit dem Bewerbungsverfahren umgegangen.

„Es drängt sich der Verdacht auf, dass Meyer das Bewerbungsverfahren hinter den Kulissen verschleppt hat, um seinen bei der Europawahl gescheiterten Grünen-Parteifreund im Ministerium unterzubringen“, sagte der agrarpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Helmut Dammann-Tamke, dieser Zeitung. Das Agrarministerium nannte den Verdacht der Vetternwirtschaft „absurd und nicht begründbar“. Die Besetzung des Leiters der Abteilung 1 (Landwirtschaft, EU-Agrarpolitik, Agrarumweltpolitik) sei „nach einer Ausschreibung und dem vorgeschriebenen Auswahlverfahren“ erfolgt, erklärte Ministeriumssprecherin Natascha Manski.

Tatsächlich gibt es einige Ungereimtheiten bei der Neubesetzung der Stelle, die im Herbst 2013 erstmals ausgeschrieben worden war. Unter den ursprünglichen zwölf Bewerbern setzte sich ein Ministeriumsmitarbeiter durch. Im Januar 2014 war die Nachfolgefrage eigentlich geklärt. Doch im März schrieb das Meyer-Ministerium die Stelle plötzlich neu aus – mit geänderten Einstellungsvoraussetzungen. Agrar-Staatssekretär Horst Schörshusen begründete das im Agrarausschuss des Landtags mit formalen Einwänden der Staatskanzlei gegen das Auswahlverfahren. Das Anforderungsprofil sei aufgrund der fachlichen und organisatorischen Neuausrichtung des Ministeriums wegen der sanften Agrarwende geändert worden.

Und dafür gab es auch den geeigneten Kandidaten: Thomas Dosch, studierter Agrarökonom aus Baden-Württemberg, zwölf Jahre Präsident des Anbauverbandes Bioland (zuletzt umstritten), drei Jahre Leiter eines Bioland-Betriebs in Hessen, Agrar-Lobbyist in Brüssel. Im Februar 2014 hatte sich Dosch vergeblich bei den Grünen für ein Mandat im EU-Parlament beworben. Das Anforderungsprofil sei auf Dosch zugeschnitten worden, rügte die CDU.