[SPITZMARKE]GöTTINGEN - GÖTTINGEN/DPA - Brennende Barrikaden, glühende Müllcontainer und ein fassungsloser Polizeipräsident: Gewaltsame Ausschreitungen wie beim Aufmarsch der rechtsextremen NPD am Sonnabend in Göttingen hatte die beschauliche Universitätsstadt schon Jahre nicht mehr erlebt. Fast 4000 Polizeibeamte mussten mit ansehen, wie militante Autonome an 30 Stellen in der Stadt Barrikaden auftürmten und anzündeten.

Die teils vermummten 1000 Autonomen erreichten ihr Ziel: Nachdem sie nur etwa 300 Meter zurückgelegt hatten, mussten die 230 NPD-Anhänger ihren geplanten Aufzug abbrechen und die Stadt unter Polizeischutz wieder verlassen. Erst zwei Tage zuvor hatte das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg den Rechtsextremisten einen Sieben-Kilometer-Marsch durch die Universitätsstadt genehmigt.

Sympathie für die Methoden der Autonomen hegten in Göttingen nur wenige. Das abrupte Ende des NPD-Aufmarsches aber löste Erleichterung aus.

78 Menschen wurden leicht verletzt, darunter 14 Polizeibeamte, teilte der sichtlich überraschte und erschrockene Göttinger Polizeipräsident Hans Wargel mit. 41 Autonome wurden in Gewahrsam genommen. Die meisten waren am Sonntag wieder auf freiem Fuß. Wargel gab zu, dass er die „Militanz und das Geschick“ der Demonstranten unterschätzt habe.

Der Sachschaden wird auf 150 000 Euro geschätzt. Die Kosten des Polizeieinsatzes sind noch nicht ermittelt. Die Beamten waren aus acht Bundesländern zusammengezogen worden. Die Polizei ging zum Teil sehr massiv gegen die Demonstranten vor.

„Ich würde mir wünschen, dass der neue Bundestag die NPD verbietet, um uns solche Einsätze zu ersparen“, resümierte der Polizeipräsident.