SPOHLE - Das Verhältnis von Jägerschaft und Bevölkerung war doch eher angespannt, erinnert sich Kreisjägermeister Günther Wemken an das Jahr 1986, als er das Amt übernahm. „Die schießen doch bloß“, habe es damals geheißen – und Konflikte seien vorprogrammiert gewesen.
Wemken änderte das, suchte den Kontakt zu den Medien, ging auf die Jagdgegner und die Naturschutzverbände zu und versuchte deutlich zu machen, dass sich Jäger als Naturschützer verstehen, als Heger und Pfleger. „Seitdem hat es kaum noch große Konflikte gegeben“, sagt Wemken nicht ohne Stolz.
Nun will er aufhören, das Amt nach genau 25 Jahren abgeben – im Alter von 70 Jahren. Die Kreisjägerschaft wird anlässlich ihrer Jahreshauptversammlung am Mittwoch, 20. April, im „Spohler Krug“ in Spohle, einen Vorschlag für die Nachfolge im Herbst machen: Danach soll erstmals eine Frau in Niedersachsen Kreisjägermeisterin werden: Talke Ruthenberg aus Bekhausen.
„Es war 1986 eher ungewöhnlich, dass ein Polizeibeamter und nicht ein Landwirt Kreisjägermeister wird, noch dazu, wenn der Kandidat Mitglied im Bund für Vogelschutz – heute NABU – ist“, erinnert sich Wemken an die Anfänge.
Im Laufe der Jahre hat er das Jagdrevier Delfshausen zum Vorzeige- und Lehrrevier in Sachen Biotopschutz ausgebaut und mittlerweile mehr als 50 Hegeringe aus ganz Niedersachsen, Naturschutzverbände, Parteien und auch Umweltminister Heinrich Sander dort herumgeführt. „Eine bessere Öffentlichkeitsarbeit gibt es nicht“, freut sich Wemken, der im Revier in Hankhausermoor wohnt und bereits seit 26 Jahren auch den Rasteder Schlosspark jagdlich für die herzogliche Familie verwaltet. Und dessen Engagement um das Vorzeigerevier durch einen Bericht in der Zeitschrift „Wild und Hund“ gar bis nach Südafrika hin bekannt wurde. „Da hat mir ein Jäger den Artikel unter die Nase gehalten“, muss Wemken noch heute lachen.
Die Erfolge seines offensiven Zugangs auf jene, die die Jagd kritisch sehen, sind unstrittig. Schon allein die Tatsache, dass Wemken auch Vorträge an der Uni Vechta vor Lehramtsstudenten im Fach Biologie und bei der niedersächsischen Naturschutzakademie in Schneverdingen gehalten hat, mag die Veränderungen im Verhältnis zueinander deutlich machen. Wie die Tatsache, dass der Kreisjägermeister seit 22 Jahren auch im Beirat der Biologischen Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems mitwirkt.
Insgesamt geht im Spätherbst ein zufriedener Kreisjägermeister aus dem Amt – und er geht auch ohne Wehmut. „Das Amt hat mir eine Menge gegeben“, sagt der 70-Jährige, der danach Langeweile nicht fürchtet: „Ich habe genug zu tun mit meinen Enkeln, meinem Revier, dem Grundstück“, lacht Günther Wemken. Durch und durch Jäger aber wird er bleiben.
