Selbst unverbesserliche Optimisten in Reihen der SPD hatten diesen grandiosen Wahlsieg in Hamburg kaum erwartet. Die Folgen sind derzeit noch gar nicht abzusehen und mitnichten nur auf die Hansestadt beschränkt. Spitzenkandidat Olaf Scholz gewann die absolute Mehrheit mit einer Strategie, die ungeniert auf die bürgerliche Mitte zielte. Hier, wo sich die CDU traditionell heimisch fühlt, werden Wahlen gewonnen – oder verloren.
Hamburg könnte den Sozialdemokraten als Blaupause für die Rückkehr an die Macht dienen, auch auf Bundesebene. Schon zeigt die aktuellste Meinungsumfrage, das Politbarometer, einen erkennbaren Aufwärtstrend für die SPD an. Noch kann zwar keine Rede vom Genossen Trend sein, doch das Super-Wahljahr 2011 begann für Sigmar Gabriels Partei verheißungsvoll.
Unübersehbar ist auch der langsame, aber stetige Rückgang des Zuspruchs für die Grünen. Der aus strategischen Erwägungen inszenierte Bruch der schwarz-grünen Koalition in Hamburg hat ihnen nicht die erhoffte Fortsetzung der Regierungsarbeit an der Seite ihres Lieblingspartners beschert. Eine derart opportunistische Politik schadet der Partei sogar bundesweit, wie die Demoskopen der Forschungsgruppe Wahlen an den neuesten Zahl ablesen können. Als stabil, wenn auch auf unterirdischem Niveau, erweist sich die FDP, die aber immerhin die Fünf-Prozent-Hürde wieder in Sichtweite hat.
Nahezu festgemauert rangiert die CDU auf Bundesebene seit Monaten unter der 40-Prozent-Marke. Hier wissen die Anhänger noch nicht, wohin die Reise gehen könnte. Der Wahlgang in Baden-Württemberg wird Aufschluss geben. Muss die Union im Stammland die Regierungsbänke räumen, dann wackeln auch im Berliner Adenauer-Haus die Wände. Und es wird so manchen Parteifreund geben, der dann von der Bundesvorsitzenden wissen will, warum sie auf Gedeih und Verderb an ihrem gestrauchelten Lieblingsminister Guttenberg festgehalten hat.
