Mit Galopp ins Jubeljahr: 2006 feiert Niedersachsen seinen 60 Geburtstag. Regierung und Parlament basteln eifrig an einem feierlichen Rahmenprogramm. Das eigens dafür vorgesehene Logo soll natürlich ein Pferd zieren. Allerdings weder der Strich-Gaul der SPD-Ära noch das Niedersachsen-Ross der CDU-Zeit, sondern ein dreidimensionales Computer-Modell. In Kabinett und Landtag sorgt das Techno-Pferd jedoch für so manchen Spott. „Lahmer Gaul“, hieß es da despektierlich. Oder: „Im Wappen springt er, im Logo hinkt er.“ Dass dann auch noch Zweifel an den Proportionen des „Kaltblüters“ geäußert wurden, brachte die Staatskanzlei auf Trab. Die fragte angeblich beim Landesgestüt in Celle nach und bekam offenbar auch die gewünschte Experten-Antwort: Dem Ross mangele es an nichts. Nun kann die große Sause zwischen Elbe und Ems beginnen. Einfach zum Wiehern.
Wie am ersten Tag im Amt fühlt sich derzeit David McAllister. Nach dem Wahlsieg 2003 musste der CDU-Fraktionschef wegen Umbauarbeiten im Landtag in einem Not-Büro seinen neuen Job verrichten. Auch jetzt gleicht McAllisters Amtsstube im Leineschloss wieder einer Baustelle. Nicht nur der leicht angegammelte Teppich war wechselbedürftig. Weil er den Lärm der Handwerker nicht mehr ertragen konnte, floh der CDU-Politiker mit seinen wichtigsten Habseligkeiten in ein Kabuff am Ende des langen Fraktions-Gangs. Zwischen der riesigen Ludwig-Erhard-Büste (Bild) auf seinem Schreibtisch und diversen Pfandflaschen an der Wand, lenkt McAllister in den kommenden Tagen die Geschicke der Fraktion.
An der Sitzordnung im Kabinett hat sich seit dem Regierungswechsel vor fast drei Jahren nichts geändert. Was daran liegen mag, dass Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) einiges von Kontinuität hält. Doch der Auftritt von Mechthild Ross-Luttmann hätte die Ministerrunde beinahe durcheinander gewirbelt. Bei der Einführung der neuen Sozialminister fragte Wulff beiläufig, ob nun die Plätze getauscht werden sollten. Das sorgte bei einigen Ressortchefs offenbar für helle Empörung. Ein Minister, der hier nicht genannt werden soll, verhinderte mit seinem Veto, dass die beiden Frauen im Kabinett, Ross-Luttmann und Justizministerin Elisabeth Heister-Neumann (beide CDU), künftig Seite an Seite sitzen. Angeblich hatte er weiblichen Klüngel in der Herren-Runde gefürchtet.
Der Gebrauch von Handys ist in der Landespressekonferenz streng untersagt. Zuwiderhandlungen werden in der Regel mit fünf Euro bestraft. In der jüngsten Kabinettspressekonferenz mit Innenminister Uwe Schünemann (CDU) bimmelte gleich zweimal ein Mobiltelefon. Einem Journalisten wurde als „Wiederholungstäter“ Strafverschärfung in Aussicht gestellt. Was Schünemanns Staatssekretär Wolfgang Meyerding berappen muss, ist noch offen. Möglicherweise gibt es Nachlass für den lockeren Spruch, mit dem er den Alarm seines Handys während der eigenen Erklärungsversuche zur Beamten-Ausbildung kommentierte: „Jetzt ruft mich meine Frau an, weil ich noch Weihnachtsgeschenke besorgen muss.“
