TUNIS - Der Schrecken kam ohne Vorwarnung – wie genau sieben Monate zuvor in New York. Am 11. April 2002 steuerte der 24 Jahre alte Nizar Nawar einen mit Flüssiggas beladenen Kleinlaster gegen die Mauer der Synagoge La Ghriba auf der beliebten tunesischen Ferieninsel Djerba. Wenige Sekunden später zerstörte eine mächtige Explosion die heile Welt des Mittelmeer-Tourismus. Der international agierende Al-Kaida-Terrorismus hatte sich ein neues Ziel gesucht: 21 Menschen kamen ums Leben, unter ihnen 14 deutsche Touristen.
Mittäter aus Duisburg
Der Duisburger Christian Ganczarski sitzt wegen des Attentats seit Jahren in Frankreich im Gefängnis. Richter in Paris sahen es in einem Prozess 2009 als erwiesen an, dass er als Al-Kaida-Mitglied an der Planung des Selbstmordanschlags beteiligt war. 18 Jahre Haft lautete das Urteil. Die französische Justiz hatte die Ermittlungen aufgenommen, weil bei dem Anschlag auch zwei Franzosen starben.
Die Angehörigen der Todesopfer und diejenigen, die das Attentat überlebten, leiden zum großen Teil noch heute. Zum einen unter den physischen und psychischen Folgen, zum anderen unter dem noch immer nicht geklärten Streit um Schadensersatzzahlungen. Ein Pariser Schwurgericht sprach 21 deutschen Geschädigten zwar im Mai 2010 insgesamt 2,4 Millionen Euro zu. Bislang wurde allerdings gerade mal ein Drittel beglichen.
Um die Zahlungen durchzusetzen, haben die Deutschen nun den staatlichen französischen Garantiefonds für Terroropfer verklagt. Dieser springt eigentlich ein, wenn die Verursacher von Schäden selbst nicht zahlen können. Die französischen Opfer entschädigte er bereits. Juristisch gesehen müsse der Fonds auch für die deutschen Forderungen aufkommen, kommentierte die Pariser Anwältin Judith Adam-Caumeil. Die Bundesregierung habe bislang darauf hingewiesen, dass sie für Schadensersatzurteile aus anderen Ländern nicht zuständig sei. „Ich habe das Gefühl, die Bundesregierung versucht, den Fall auszusitzen“, kommentierte sie.
Langes Leid
Welch langes Leid durch das Attentat verursacht wurde, machte der Prozess deutlich. „Die Menschen schrien nach Hilfe und vor Schmerzen“, berichtete ein junger deutscher Überlebender. Nahezu täglich leide er unter Albträumen, Ängsten und Schmerzen von den Hauttransplantationen. „Das Attentat hat den Wunsch nach einem zweiten Kind zerstört“, fügte der Vater eines mittlerweile auf das Teenager-Alter zugehenden Opfers aus dem westfälischen Bergkamen hinzu. „Die Betreuung kostet so viel Liebe und Zeit, dass wir keine Möglichkeit hätten, uns darum zu kümmern.“
