Hannover/Ritterhude - Die verheerende Explosion in einer Chemiefabrik in Ritterhude mit einem Toten und Millionenschaden im vergangenen September beschäftigt jetzt Richter. Vor Gericht wird der Streit zwischen Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) und der Geschäftsführung der Fabrik ausgetragen. Die Anwälte der Firma erwirkten am Montag eine einstweilige Verfügung gegen die Behauptung von Wenzel, Organo Fluid habe jahrelang ohne Genehmigung giftigen Sondermüll verbrannt. Geschäftsführer Markus Buch: „Da muss ein Fehler vorliegen. Es ist alles rechtens, alle Genehmigungen liegen vor.“

Der Umweltminister seinerseits bleibt gelassen. „Eine Rufschädigung liegt nicht vor“, versichert ein Ministeriumssprecher im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Umweltminister habe nur die Ergebnisse der Prüfung vorgetragen, die nach dem schweren Brand durchgeführt wurde. Das Umweltministerium ist Aufsichtsbehörde des zuständigen Gewerbeaufsichtsamtes in Cuxhaven.

Nachforschungen, die Umweltminister Wenzel veranlasste, ergaben, dass die Anlage seit 1990 teils erheblich ausgebaut wurde und offenbar in den Folgejahren nicht nur – wie genehmigt – die eigenen Chemieabfälle verbrannte, sondern auch Sondermüll von Fremdfirmen, darunter wohl auch eines landeseigenen Unternehmens.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit Dezember gegen die Geschäftsführung von Organo Fluid und einen Mitarbeiter des Gewerbeaufsichtsamts in Cuxhaven wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung.

Die Entsorgungsfirma für Chemieabfälle war mitten in einem Wohngebiet in der Nähe von Bremen explodiert. Ein Mitarbeiter kam ums Leben. Viele Häuser wurden beschädigt. Mehrere Familien verloren zeitweise ihr Zuhause. Die Ursache für das Unglück ist noch unklar. Organo Fluid sucht zurzeit nach einem neuen Standort, um das Unternehmen mit 18 Mitarbeitern wieder aufzubauen.