Höchst unwahrscheinlich, dass sich die Lebensgefährtin unseres Bundespräsidenten mit dem vermeintlich glamourösen Titel einer „First Lady“ schmücken möchte. Daniela Schadt war eben noch eine von ihren Kollegen geschätzte Redakteurin. Sie hat nicht über Nürnberger Kaninchenvereine, wohl aber über deutsche Politik geschrieben. Wer sie bei ihren ersten Auftritten an der Seite von Joachim Gauck beobachtet hat, fühlt sich sicher, dass Frau Schadt nicht ins Rampenlicht drängen wird.

„First Lady“, das ist doch, bei näherem Zusehen und in unserem Land, eine ausgemachte Albernheit. Für die bunten Blätter, gewiss doch, ist das Etikett unentbehrlich.

Die Ehefrau von Christian Wulff hat sich in der Rolle der „Ersten Dame“ sichtlich wohlgefühlt. Mehr noch, sie strebte zielsicher auf die Bühne der „Promis“. Dabei stellte sie ihren Präsidentengatten buchstäblich in den Schatten. Jetzt ist zu hören, dass die „First Lady außer Diensten“ ihre Memoiren schreibt. Ein Verlag soll mit einem siebenstelligen Honorar winken, was eher übertrieben wäre. Schnell das Manuskript her, ehe die Autorin in Vergessenheit gerät.

Eine „First Lady“ passt zum Weißen Haus in Washington. Die Rolle war wie gemacht für die schöne und elegante Jaqueline Kennedy. Die früher als Anwältin erfolgreiche Michelle Obama, hat man erfahren, findet den Titel nebensächlich. Das gilt auch für die Frauen unserer Bundespräsidenten, von Elly Heuss-Knapp bis zu Eva Luise Köhler. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit Dr. Mildred Scheel, Fachärztin für Radiologie und Kämpferin gegen die Volkskrankheit Krebs. Mit dieser Überschrift könne sie nichts anfangen, im Gegenteil, sie finde sie irreführend. „Ich bin doch nicht über alle Frauen gestellt, die sich, in welchem Beruf auch immer, für das Gemeinwohl engagieren.“

Die vor ihrer Heirat für die Öffentlichkeitsarbeit bei einer Drogeriekette zuständige Frau Wulff hat solche Verdienste nicht vorzuweisen, vielleicht ja nur deshalb, weil die Amtszeit ihres Mannes für sie ein so frühes Ende nahm.

Wenn es heute eine Frau gibt, die, wäre sie nicht von der eigenen Partei, der FDP, verraten worden, zur Bundespräsidentin hätte aufsteigen können, ist es die heute 90-jährige Dr. Hildegard Hamm-Brücher. Die Münchnerin ist eine natürliche Lady.

In Birma gibt es, vom Volk als „The Lady“ verehrt, die seit mehr als einem Jahrzehnt für die Freiheitsrechte ihrer Landsleute streitende Aung San Suu Kyi. Vor Jahren schon mit dem Nobelpreis für ihre Standfestigkeit ausgezeichnet, ist sie soeben siegreich in die Politik zurückgekehrt. Starke Frauen sind nicht auf Glitzerworte angewiesen.