Hannover - Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel trat zwar am Mittwoch den verbalen Rückzug an, doch die Aufregung um seine Äußerungen zu Ex-Ministerpräsident Ernst Albrecht reißen nicht ab. Der Gorleben-Untersuchungsausschuss des Bundestags will Albrecht nicht vorladen, wie von Wenzel gefordert. Auch aus der eigenen Partei gibt es Gegenwind.
„Der Ausschuss braucht für seine Arbeit weder politische Ratschläge noch rechtlich zweifelhafte Hinweise“, erklärte die Ausschussvorsitzende Maria Flachsbarth (CDU). Der Vorschlag, Albrecht zu verhören, sei nicht mehr als „Wahlkampfklamauk auf Kosten eines hoch angesehenen Mannes, der sich nicht mehr wehren kann“.
Albrechts Aussagen wären sicher interessant gewesen, aber die Zeugenliste sei abgeschlossen, sagte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Dorothea Steiner dieser Zeitung. „Wir haben nicht vor, eine Befragung Albrechts zu beantragen.“
CDU-Generalsekretär Ulf Thiele (Uplengen) verlangte eine Entschuldigung von Wenzel. „Die unmenschliche Forderung der Grünen, einen schwer an Alzheimer erkrankten Mann in die Öffentlichkeit und vor einen Untersuchungsausschuss zu zerren, stand viel zu lange im Raum“, erklärte Thiele. Erst nach einem verheerenden Medienecho sei bei Wenzel die Erkenntnis gereift, dass er sich mit diesem „rücksichtslosen Profilierungsversuch“ vergaloppiert habe. Dass er jetzt öffentlich sein Bedauern erkläre, sei richtig, komme jedoch deutlich zu spät.
Der deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge, der sich auch um Alzheimerpatienten kümmert, zeigte sich entsetzt. Das sei „kein menschenwürdiger Umgang“, sagte Vorstand Michael Löher dieser Zeitung. „Der Vorschlag ist für Albrecht und seine Familie eine Zumutung.“
„Albrecht hat die Entscheidung zur Auswahl des Salzstocks Gorleben als Endlager für hoch radioaktiven Atommüll maßgeblich mitzuverantworten“, erklärte Wenzel. Eine Befragung sei ihm aber angesichts des Gesundheitszustands nicht zuzumuten. „Insofern war der von mir geäußerte Gedanke nicht angemessen. Ich bedauere dies“, betonte Wenzel.
