An brisanten Themen mangelt es gewiss nicht bei der US-Reise von Verteidigungsminister Thomas de Maizière in den nächsten Tagen. Man könnte auch von gewichtigen Konflikten mit dem wichtigsten Verteidigungspartner sprechen. Besonders bei den Themen Libyen, Afghanistan und Reform des NATO-Bündnisses gehen die Meinungen zwischen den USA und Deutschland teils weit auseinander.

Die Enthaltung Berlins bei der UN-Resolution zu Libyen sorgt noch immer für mächtigen Ärger in New York bei den Vereinten Nationen und in Washington beim Verteidigungskollegen Gates. Das Unverständnis bleibt, dass eine breite Allianz Gaddafi zu stoppen versucht, während die Bundeswehr allenfalls die Absicherung humanitärer Einsätze in Libyen – wenn wieder alles friedlich ist – anbietet. Dass Verteidigungsminister de Maizière und Kanzlerin Merkel im Gegenzug Entlastung in Afghanistan für die NATO angeboten haben, konnte bislang den Unwillen im Weißen Haus und im Pentagon nicht besänftigen.

Zum Dauerkonflikt mutiert auch der Einsatz in Afghanistan. Besonders Außenminister Guido Westerwelle drängt darauf, die ersten deutschen Soldaten bereits in wenigen Monaten abzuziehen. De Maizière agiert vorsichtiger. Militärs weisen auf die unverändert instabile Lage und die teils bemerkenswerten Erfolge der Taliban gegen die weiterhin schwachen afghanischen Regierungstruppen. Washington warnt seit langem, dass ein übereilter Abzug den radikalen Islam-Kriegern nur wieder das Feld überlassen würde. Verstärkt sickern die Taliban in jüngster Zeit aus Pakistan in die Kampfgebiete ein.

Aber auch die NATO-Reform stellt ein Riesenproblem dar. Die Strukturen müssen dringend modernisiert werden, die NATO muss flexibler und schlagkräftiger werden. Damit passt wenig zusammen, dass de Maizière im Auftrag der Regierungskoalition die Bundeswehr massiv verkleinern muss. Wer soll diese Lücke füllen? Die Partner sehen es mit Sorgen. Und de Maizière wird manche Antwort schuldig bleiben. Die Grunddaten für eine kleinere Bundeswehr werden erst auf einer Klausur Anfang Mai ermittelt. Wenig befriedigend für die Gesprächspartner.