VECHTA - Revolutionen, Kriege, Weltwirtschaftskrisen und auch Monarchen, Despoten und Demokratien – die „Oldenburgische Volkszeitung“ blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. An diesem Sonntag vor 175 Jahren erschien erstmals der „Urahn“ der heute im Oldenburger Münsterland tief verwurzelten Lokalzeitung.
Heimatlich orientiert, unterhaltend und belehrend sollte das „Sonntags-Blatt“ nach dem Willen seines Gründers, des Buchdruckers Carl Hermann Fauvel, sein. Politische Berichterstattung war im Zeitalter der Fürstenhäuser noch tabu, als Fauvel am 5. April 1834 seine mit einer Holzpresse in Handarbeit hergestellte Zeitung erstmals der Öffentlichkeit präsentierte.
„Die Oldenburgische Volkszeitung wird über das ganze Jahr das Jubiläum feiern“, sagt der Geschäftsführende Gesellschafter Jörg-Peter Knochen. „Sonntags-Blatt“, „Neue Zeitung“, „Vechtaer Zeitung“ und seit dem 1. Januar 1895 „Oldenburgische Volkszeitung“: In seiner langen Historie wechselte das Blatt mehrmals den Namen, blieb aber seiner christlichen Grundausrichtung und seiner Heimatverbundenheit stets treu.
Auch in den Zeiten des Nationalsozialismus konnte die Zeitung nach Aussage von Knochen mit einer stärkeren Gewichtung auf die Lokalberichterstattung relativ unbehelligt vom Regime ihren Kurs fortsetzen. Sie wurde jedoch auf Anordnung der Machthaber 1941 Verkündungsorgan der NSDAP und musste statt des Stadtwappens von Vechta das Hakenkreuz im Titel führen.
Knapp einen Monat vor der deutschen Kapitulation 1945 erscheint die „Oldenburgische Volkszeitung“ am 9. April nach dem Einmarsch der Alliierten zunächst zum letzten Mal mit dem Leitartikel „Wir kehren zurück“ auf der ersten Seite.
Mit Genehmigung der Militärbehörden können erst am 16. Oktober 1949 die Druckerpressen wieder in Gang gesetzt werden. Die Grundhaltung des Blattes mit seiner historisch gewachsenen katholischen Ausrichtung und als Organ der Zentrumspartei wird neu definiert. Die traditionelle Werteorientierung ist im Untertitel mit „Überparteiliche christliche Tageszeitung“ festgeschrieben.
Heimat, Bodenständigkeit und die christlichen Werte sind nach Angaben von Knochen nicht nur lange Tradition, sondern auch heute noch die Fundamente für die Zeitung mit einer aktuellen Auflage von 25 000 Exemplaren. „Der Heimatbegriff ist bei uns positiv besetzt“, ergänzt Chefredakteur Uwe Haring. „Was vor meiner Haustür passiert, interessiert mich.“
