Remlingen - 12 000 Liter Wasser laufen täglich in das marode Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel. Vier Millionen Liter pro Jahr, die den Zeitdruck bei dem weltweit einmaligen Bergungsversuch von 126 000 eingelagerten Fässern stetig erhöhen. Das Asse-Wasser stellt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) vor Probleme – obwohl es laut Messungen sogar sauberer als Trinkwasser ist. Seit 2010 kämpfen die Experten des BfS gegen den drohenden Gau.

Schon seit 1988 läuft Salzlauge in die Asse. Die Zeit drängt, und selbst Optimisten rechnen mit einer Bergungsdauer von mehreren Jahrzehnten. Zutrittswasser heißt das mit Steinsalz gesättigte Grundwasser, welches pausenlos durch Risse und Klüfte eindringt. Einzig starke Pumpen verhindern bislang Schlimmeres. Doch niemand kann sagen, wie lange es bei der bisherigen Menge bleibt. Im Notfall könnten die Pumpen bis zu 500 000 Liter pro Tag abpumpen.

Das Zutrittswasser darf nicht mit den radioaktiv kontaminierten Lösungen verwechselt werden. Bislang fallen davon 23 bis 25 Liter pro Tag an. Doch das größte Problem schlummert noch in der Erde: In einer Vertiefung vor Kammer 12 auf der 750-Meter-Ebene werden noch bis zu 80 000 Liter radioaktive Salzlösung vermutet.

Für diese Menge reicht der bisherige Entsorgungsweg über die Landessammelstelle laut BfS nicht aus. Daher will das Bundesamt mit den Salzlösungen Beton anmischen, um Hohlräume in 800 Metern Tiefe und darunter zu verschließen. Ein Umweltrisiko erwartet das BfS nicht: Die gebundenen Radionuklide würden in einigen Jahrzehnte zerfallen. Doch auch die Entsorgung des unbedenklichen, nicht verseuchten Wassers, bereitet Schwierigkeiten. Seit 2005 wird das Wasser in das stillgelegte Bergwerk Mariaglück bei Celle gepumpt. Doch langsam wird es dort eng.

Bis spätestens Ende 2016 muss ein neues Konzept her, dann läuft auch der Vertrag mit dem Betreiber, dem Düngermittelhersteller K+S, aus. Ein Ausweg wäre laut BfS die Einleitung in Niedersachsens Flüsse. „So bedrohlich das Wasser seinen Weg durchs Salz frisst, so unbedrohlich ist es für Mensch und Natur“, sagt BfS-Sprecher Werner Nording. Das BfS habe dem Umweltministerium schon im Mai 2012 den Vorschlag unterbreitet. Infrage kommen danach Weser, Jade und Ems. In diese Flüsse seien 2009 mehr als 52 Milliarden Liter Salzabwässer eingeleitet worden. Im Vergleich dazu wirken 3,85 Millionen Liter Asse-Wasser pro Jahr eher gering.

Dennoch zögert die Politik. Die Einleitung in Flüsse würde „keine Akzeptanz vor Ort finden“, sagt Noch-Umweltminister Stefan Birkner (FDP). „Es gibt kurzfristig keine Notwendigkeit zur Suche nach anderen Möglichkeiten“, so Stefan Wenzel (Grüne). Ungeachtet der unbedenklichen Messwerte wollen beide an der unterirdischen Lösung festhalten.