Lüneburg - Es ist eine kaum vorstellbare Geste des Vergebens: Im Konzentrationslager Auschwitz musste Eva Mozes Kor grausame Experimente des KZ-Arztes Josef Mengele ertragen – 70 Jahre später reicht die Überlebende dem in Lüneburg angeklagten SS-Schergen Oskar Gröning die Hand zur Versöhnung.

Dies sorgt für Protest bei Dutzenden anderen Überlebenden, die als Nebenkläger auf Gerechtigkeit für fast 1000 ermordete Familienmitglieder pochen. Kor inszeniere ihr „Verzeihen und Vergeben“ immer wieder in der Öffentlichkeit, lautet der am Montag über zwei Nebenklage-Anwälte verbreitete Vorwurf.

Am Vorabend sahen bei „Günther Jauch“ knapp 3,6 Millionen Fernsehzuschauer ein Foto der Versöhnungsgeste, bei der Kor sich zu dem Angeklagten hinbeugt und ihn in den Arm nimmt, und hören sie argumentieren, dass Gerichtsverfahren gegen NS-Verbrecher der falsche Weg seien. Für ihr Vergeben sieht sie keine Alternative. „Auch wenn jeder Nazi gehenkt würde für seine Verbrechen, mein Leben wäre immer noch das gleiche.“ Stattdessen plädiert sie für einen Dialog von Tätern und Opfern.