Betrifft:
„Denkmal: ,Falsches Bild gezeichnet’“ ( NWZ vom 28. März) und weitere Berichte und Leserbriefe zum ThemaDie jüdische Gemeinde in Oldenburg befürchtet, im Streit um das Vertriebenen-denkmal einen falschen Eindruck erweckt zu haben.Die verhältnismäßig junge und kleine jüdische Gemeinde hat sich offenbar gegenüber der sehr viel größeren und hier lange ansässigen Gruppe der Vertriebenen durchgesetzt und die Debatte um das Denkmal in ihrem Sinne beeinflusst. Das ist erfreulich.
Nicht alle jüdischen Gemeinden in Deutschland zeigen immer die von ihnen selbst eingeforderte Rücksichtnahme. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an den Waldfriedhof in Dresden. Dort sind die Opfer der mörderischen Bombardierung bestattet worden. Der Zugang zu dieser Gedenkstätte wird durch eine monströse Anlage erschwert, die an die verschiedenen KZ-Standorte erinnern soll.
Leider machen die bisher veröffentlichten Leserbriefe eine erschreckende Unkenntnis über den Umfang und die Begleitumstände der Vertreibung deutlich. Ich empfehle deshalb die Lektüre der Bücher des amerikanischen Völkerrechtlers Alfred de Zayas. (...).
Man kann durchaus über den Erinnerungswert eines Denkmals geteilter Meinung sein. Die Stadt Oldenburg steht jedoch in der Schuld der Vertriebenen, für deren geleisteten Beiträge zu der Stadtentwicklung. (...)
Jürgen LachmannOldenburg*
Wie kann man Leid und Unrecht auf der einen Seite beklagen, aber in anderer Hinsicht quasi verleugnen? (...) Hier werden nicht nur Denkfehler begangen, wenn man wider besseres Wissen unzulässigerweise sehr Unterschiedliches miteinander vergleicht, sondern hier wird offenbar einer Ideologie das Wort geredet. (...)Wer kann denn heute überhaupt noch ermessen, was es (...) bedeutet hat, aus ihrer Heimat mit teilweise brutaler Gewalt vertrieben worden zu sein (...), sein Hab und Gut zurücklassen zu müssen und das in einer Frist von oftmals nur einer Stunde? (...)
Fazit, um nicht missverstanden zu werden: Ich bin gegen jegliches Unrecht allen gegenüber. (...) Geschehenes Unrecht sollte uns immer in Erinnerung bleiben und uns mahnen, dass dieses sich niemals wiederholen darf. (...) Insofern spielt es überhaupt keine Rolle, wenn ein Denkmal für Vertriebene und andere Verfolgte in räumlicher Nähe stehen.
Bernd MöllerOldenburg*
Nicht allein, dass man den damals leidgeprüften Vertriebenen endlich ein „würdiges Vertriebenen-Denkmal“ hier, und hoffentlich bald in Berlin, errichtet. Der Anstand gebietet es darüber hinaus, dass man auch, im Nachhinein, die Arbeiten noch immer schätzt, welche von den abgezogenen (...) „Fremdarbeitern“ von den Vertrieben übernommen wurden.Welch ein Hohn heutzutage, dass erneut wieder ausländische Saisonarbeiter die gleichen Arbeitenverrichten dürfen. (...)
Ich bin daher der Ansicht, dass ein derartiges „Vorhaben“ über alle Parteigrenzen (...) hinaus nicht noch weiter „zerredet“ werden sollte.
Otto Cimbal-MarockeWardenburg * Die in der NWZ vom 25. März veröffentlichten Umfrageergebnisse haben eine Mehrheit für die Denkmal-Befürworter ergeben. Zur derzeitigen teilweise emotional und im Stil von „political correctness“ geführten Diskussion möchte ich Herrn Prof. Dr. Alfred de Zayas (Völkerrechtler, ehemaliger Sekretär des UNO-Menschenrechtsausschusses u. Autor) zitieren: „Aller Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft muss mit Ehrfurcht gedacht werden... ... Es bedeute eine geschichtliche Klitterung und sogar eine Verletzung der Menschenrechte, die deutschen Vertriebenen als Täter zu diffamieren. Die Vertriebenen waren Opfer der Unmenschlichkeit der Sieger - und heute sind sie oft Opfer der Diffamierung durch die Medien und durch Zeitgeist-Historiker. ....“Christa HoyerOldenburg * Bitte kein Vertriebenen-denkmal nach 60 Jahren!Der jetzige Trubel lässt befürchten, dass alles in einer Verhöhnung der Opfer endet, die man infam als Täter ausmacht. (...)
Am 12. März 1945 schwammen nach Bombenangriffen auf Flüchtlingstrecks aus Ostpreußen in Swinemünde alte Menschen und Mütter mit Kindern samt Hausrat in der Oder. (...) Sie erfuhren nicht die Gnade der späten Geburt. Nutznießer der Nachkriegszeit muss man sein, um das anders zu sehen. Zahlreich war Hilfe vor 60 Jahren nicht, wertvoll aber, wo sie gewährt wurde.
Z. B. ein Klempner in der Lambertistr. (Wasch- Badewanne), ein Schuhmacher in der Nadorster Str. (Schuhe geflickt und besohlt), ein alter Rentner am Eßkamp (gelegentlich Kartoffeln). Ihnen sind wir heute noch dankbar.
Der andere Bericht über „leidende Zwangsarbeiten“ ist unvollständig.
Meine Frau saß zwischen Frauen aus Russland, um Düsen aus Aluminium zu schweißen. Die Russinnen wohnten auf dem Werksgelände und wurden dort verpflegt. Meine Frau musste eineinhalb Stunden früher zur Verdunkelungszeit zum Bahnhof, mit dem Zug nach Rastede zum Arbeitsbeginn Zum Ausgleich kam sie eineinhalb später nach Hause. Sie war zwangsverpflichtet.
Bei der Frage nach politischen Ursachen wird verschwiegen, dass die Geschichte nicht 1933 begann, sondern viele Jahre früher. (...) Wie gut, dass nur die Vertriebenen den Krieg verloren haben.
Horst HainOldenburg
