Hannover - Es ist gar nicht so einfach, Gabriele Heinen-Kljajic zum Lächeln zu bringen. Die neue Wissenschafts- und Kulturministerin ist etwas kamerascheu, wirkt fast schüchtern. Wer es allerdings doch schafft, wird mit einem herzhaften Lachen belohnt. Heinen-Kljajic ist ein ruhender Pol im rot-grünen Kabinett. Kaum zu glauben, dass die heute 51-Jährige einst von der Schule geflogen sein soll.
„Ich war eindeutig der rebellische Typ“, beschrieb Heinen-Kljajic in einem Interview ihre kurze Zeit in einem katholischen Mädchengymnasium. Mit Rauchen, Trampen und Blaumachen sei sie damals angeeckt. Ihrer politischen Karriere hat das nicht geschadet.
Als Fraktionschefin der Grünen im Braunschweiger Stadtrat stieg die studierte und promovierte Politikwissenschaftlerin 1996 ins Geschäft ein. Sieben Jahre später wurde sie erstmal in den Landtag gewählt. In der vergangenen Legislaturperiode war sie Fraktionsvize und später Parlamentsgeschäftsführerin. Spätestens seit dieser Zeit galt Heinen-Kljajic als ministrabel. Leichte Rückschläge, wie die Aufstellung der Landesliste zur Landtagswahl, als sie weit nach hinten durchgereicht wurde, konnten die zielstrebige Grünen-Frau nicht aus der Bahn werfen.
Jetzt sitzt Heinen-Kljajic in ihrem großen Ministerbüro im siebten Stock. Hinter den Aktenbergen kann sie durch ein Panorama-Fenster über halb Hannover bis zum Deister blicken, dem ersten Anzeichen der Mittelgebirge. „Es ist ein Job, der nicht wirklich nur schön ist“, sagt die Ministerin. Sie habe Respekt vor der Aufgabe, die es zu stemmen gelte. Das hört sich bescheiden an und ist auch so gemeint. Mit einer guten Tasse Tee könne man ihre Laune nach oben treiben, ließ sie einmal wissen. Wenn sie so etwas sagt, ist das Lachen schnell wieder da.
Apropos Mittelgebirge. Die Ministerin stammt ursprünglich aus der Nordeifel, einer hügeligen und ländlichen Region. Das erklärt, warum sie sich im Harz so heimisch fühlt. Der Vater war Elektromeister, die Mutter Verkäuferin. Heinen-Kljajic beschreibt ihre Eltern als aufstiegsorientiert und offen für Bildung. „Ich bin selbst das Ergebnis der Bildungsoffensive der 70er Jahre.“ Für ein katholisches Mädchen vom Land sei das damals nicht selbstverständlich gewesen.
Heinen-Kljajic will ihre Erfahrungen weitergeben. Ihr größtes Ziel ist die Abschaffung der Studiengebühren. „Für Kinder aus einkommensschwachen Familien, für die die Studienfinanzierung ohnehin schon eine große Belastung darstellt, bedeuten sie eine zusätzliche Hürde beim Zugang zur Hochschule.“
Die Ministerin muss sich allerdings noch mit ganz anderen Probleme herumschlagen. Die Lüneburger Leuphana-Universität ist wegen eines Bauprojekts ins Visier von Staatsanwaltschaft und Korruptionsfahndern geraten, an der Hochschule Hannover wurde die Präsidentin abgesetzt, auch die Niedersächsische Technische Hochschule hat Probleme. Und der Kulturbetrieb fürchtet Kürzungen der Zuschüsse.
Heinen-Kljajic nimmt das alles recht gelassen. Ruhig, aber entschlossen geht sie die Themen an. „Kultur und Wissenschaft gestalten sich selbst. Politik setzt nur die Rahmenbedingungen“, ist da ein passendes Zitat von ihr.
Die Kultur mag Heinen-Kljajic, die an jedem Arbeitstag mit den Zug nach Hannover fährt, auch privat. Kunst gucken, sich einfach mal den Kopf durchpusten lassen, das tue ihr gut, meinte sie jüngst. Die Jakob-Kemenate in Braunschweig mit ihren Ausstellungen gehört zu den bevorzugten Zielen der verwitweten Ministerin.
