WARDENBURG - Die Botschaft der neuen Vorsitzen ist klar und wird nicht vom Manuskriptblatt abgelesen: Wir müssen uns wieder mehr um die Leute kümmern und uns weniger mit uns selbst beschäftigen. Hanne Modder aus dem ostfriesischen Bunde ließ nach ihrer Wahl zur SPD-Bezirkschefin für Weser-Ems in Wardenburg keinen Zweifel aufkommen, dass sie einen gründlichen Neuanfang will.
Wir haben als SPD inzwischen alles verloren, was man verlieren kann, analysiert die 49 Jahre alte Landtagsabgeordnete ungeschönt die Lage der Partei. Das müsse jetzt anders werden und der erste wichtige Termin seien die Kommunalwahlen im kommenden Jahr. Bis dahin solle die SPD Weser-Ems wieder als ordentliche politische Kraft wahrgenommen werden.
Ausdrücklich nimmt Modder ihren Amtsvorgänger Garrelt Duin vor jedem Vorwurf in Schutz. Die schlechte Lage könne ihm auf keinen Fall angelastet werden. Im Gegenteil er habe die richtigen Weichen gestellt und sie hoffe darauf, dass er nach seinem Rückzug vom Landes- und Bezirksvorsitz nach einer gewissen Pause wieder herausgehobene Aufgaben übernehmen werde.
Mit einer kämpferischen Rede hatte sich zuvor Duin aus dem Vorsitzendenamt verabschiedet. Für seine Rede gab es stehenden Applaus und viel Dank der Delegierten. Auf die Personalquerelen vor seinem Rücktritt ging Duin nur am Rande ein, machte dabei aber deutlich, wie stark er sich durch anonyme Stimmungsmache angeblicher Parteifreunde verletzt fühlte: Das wünsche ich meinen Nachfolgern nicht. Er selbst habe immer versucht, einen Stil des direkten Gesprächs und Austauschs von Argumenten zu pflegen. Das sei vielleicht altmodisch ihm aber allemal lieber als alles per Telefon-Kurzmitteilung, E-Mail oder Hinterzimmerabsprachen zu regeln.
Sichtlich bewegt verabschiedet die neue Vorsitzende ihren Vorgänger: Du kannst aufrecht durch die Vordertür gehen und kommst hoffentlich irgendwann wieder rein. Selbstkritisch erinnert Modder daran, dass wir alle vielleicht auch feige waren und uns oft hinter Garrelt Duin versteckt haben, statt ihn wirkungsvoll zu stützen.
Sie selbst wird mit 121 von 123 Stimmen ins Amt gewählt. Ihr Stellvertreter Wiard Siebels (32) aus Aurich erhält 94 von 125 Stimmen und ist damit zufrieden.
Eine wichtige Grundsatzentscheidung trafen die Delegierten, indem sie beschlossen, den Bezirk auf Kosten der Ortsverbände finanziell zu stärken. Auf diese Weise soll besonders für Wahlkämpfe eine größere Schlagkraft erreicht werden. In drei Jahren soll diese Regelung aber nochmals überprüft werden.
An der Antragsdiskussion beteiligte sich auch der designierte Landesvorsitzende Olaf Lies, der außerdem Glückwünsche zum 43. Geburtstag entgegennahm. Klare Signale gab der Parteitag für den Erhalt des Luftwaffen-Fliegerhorstes in Wittmund, einen zeitgerechten Bahnausbau zur Anbindung des Wilhelmshavener Containerhafens Jade-Weser-Ports und gegen Missbrauch von Leiharbeit.
