Hannover - „Reden? Ich kenne niemanden in der CDU, mit dem Wulff noch spricht“, sagt ein früher ganz enger Parteifreund im Gespräch mit dieser Zeitung. Doch an diesem Mittwoch wird sich Christian Wulff wohl anhören müssen, wie es hinter den Kulissen der CDU-Landesregierung mit ihm als Ministerpräsident lief.
Was in der Staatskanzlei passierte, wie eng das Verhältnis zum damaligen Regierungssprecher Olaf Glaeseker war. Denn Glaeseker steht an diesem Mittwoch im Bestechungsprozess gegen Ex-Bundespräsident Wulff als Zeuge bereit. Pikant: Auch der ehemalige Regierungssprecher muss sich im gleichen Gerichtssaal, mit der gleichen Staatsanwaltschaft, aber vor einer Richterin verantworten – wegen Bestechlichkeit.
Beide kämpfen gegen eine drohende Verurteilung Zwei, die sich mal als siamesische Zwillinge bezeichneten, stehen sich jetzt Auge in Auge gegenüber vor der Justiz. Showdown am Vormittag. In Western duelliert man sich erst am Mittag.
Wie eng die Duzfreunde zusammenarbeiteten, beweist auch die gemeinsame Zeit im Berliner Schloss Bellevue mit Wulff als Bundespräsident und Glaeseker als Sprecher des Präsidialamtes. Wer als Journalist vom Präsidenten eine Äußerung haben wollte, erhielt oft von Glaeseker folgende Auskunft: „Du kannst den Bundespräsidenten mit diesen Worten zitieren....“ Der „Präsidentenmacher“ und mediale Strippenzieher Glaeseker duzte nicht nur die meisten Korrespondenten, sondern war befugt, Äußerungen Wulffs in dessen Namen frei zu formulieren. Siamesische Zwillinge eben.
Eine Nähe bis ins Intimste. Vor der endgültigen Trennung des Ehepaars Christiane und Christian Wulff gab es ein Abschlussgespräch zu den Details. Unter sechs Augen. Auch Glaeseker war bei dem Treffen in Osnabrück dabei.
Im Landgericht von Hannover wartet ein Kreuzverhör auf Glaeseker. Richter, Staatsanwälte und Wulffs Verteidigung interessiert, was der einstige Freund von Wulffs Umfeld zu berichten weiß. Die Staatsanwaltschaft wirft Wulff vor, er habe sich wissentlich vom mitangeklagten Filmfinancier David Groenewold einen Teil der Kosten für einen Oktoberfestbesuch 2008 in München zahlen lassen. Später warb Wulff für ein Filmprojekt Groenewolds bei der Siemens-Spitze. Die beiden Angeklagten bestreiten die Vorwürfe.
Wulff seinerseits muss als Zeuge im Glaeseker-Prozess Wissen preisgeben über das engmaschige Beziehungsgeflecht Glaesekers zum umtriebigen Partymanager Manfred Schmidt, der wegen Bestechung angeklagt ist. Dieser soll Glaeseker mit Gratis-Urlauben und Freiflügen verführt haben, Sponsoren für Promi-Sausen in Hannover zu besorgen, an denen Schmidt Hunderttausende verdiente. Oder schonen sich Wulff und Glaeseker gegenseitig? Die Beziehung ist zerbrochen, seitdem Glaeseker Wulff in Mails anflehte, ihm in der Bedrängnis zu helfen. Kühl fertigte Wulff seinen siamesischen Zwilling ab. „Ich habe ihm verziehen“, sagte Glaeseker vor Kurzem. Wirklich?
