WASHINGTON - In Afghanistan halten die Proteste gegen eine Koranverbrennung in den USA an. Bei schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften in der südafghanischen Stadt Kandahar kamen am Wochenende nach offiziellen Angaben zwölf Menschen ums Leben, darunter ein Polizist. Mehr als 120 weitere Menschen wurden verletzt. Bereits am Freitag hatten aufgebrachte Muslime in Masar-i-Scharif im Einsatzgebiet der Bundeswehr das Regionalbüro der Vereinten Nationen gestürmt und sieben Ausländer getötet.
Auslöser der Proteste war eine Aktion des radikalen Predigers Terry Jones in Florida. Der umstrittene Prediger hatte nach Angaben der „New York Times“ schon am 20. März einen Koran in seiner Gemeinde verbrannt. Dies war jedoch zunächst weitgehend unbemerkt geblieben, da US-Medien sehr zurückhaltend darüber berichtet hatten. Jones hatte im Vorjahr weltweit für Aufsehen gesorgt, als er den Koran am Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September verbrennen wollte. Die Aktion wurde damals im letzten Moment gestoppt.
US-Präsident Barack Obama verurteilte die Koranverbrennung und die Racheakte in Afghanistan. Laut einer Mitteilung des Weißen Hauses erklärte er: „Die Schändung jedes heiligen Textes, einschließlich des Koran, ist ein Akt extremer Intoleranz und Bigotterie“. Jedoch sei es auch schändlich, als Antwort darauf unschuldige Menschen anzugreifen und zu töten. Keine Religion toleriere das Abschlachten und Enthaupten unschuldiger Menschen, sagte Obama. Dafür gebe es keine Rechtfertigung.
Jones wies jede Verantwortung für die blutigen Reaktionen zurück. „Wir wollten das Bewusstsein für diese gefährliche Religion schärfen“, sagte der Prediger dem Sender ABC.
Im südafghanischen Kandahar protestierten am Sonnabend und Sonntag jeweils mehrere Hundert Menschen gegen die Koranverbrennung. Am Sonntag hätten Demonstranten einen Polizeiposten in Brand gesteckt und Sicherheitskräfte attackiert. Protestkundgebungen gab es nach Angaben des Innenministeriums auch in der Hauptstadt Kabul, im westafghanischen Herat sowie in mehreren Städten im Osten des Landes.
„Das waren keine Demonstranten, das waren Opportunisten“, sagte Ahmad Karsai, Chef des Provinzrates von Kandahar und Bruder von Staatschef Hamid Karsai.
