Den Haag - Smalltalk im Parlament, Audienz beim König, Mittagessen beim Ministerpräsidenten und zum Abschluss ein Rundgang beim Stromnetzbetreiber Tennet: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat einen dichten Terminplan in den Niederlanden. Einen Tag lang ist er in seiner Rolle als Bundesratspräsident im Nachbarland unterwegs.

„Ich fühle mich hier zu Gast bei Freunden“, sagt Weil am Mittag bei seiner Tischrede zum niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte. Weils Reise hat eine lange Tradition. Seit 1996 besucht der Präsident der Länderkammer einmal pro Jahr das westliche Nachbarland. Dabei geht es nicht nur um Höflichkeit, beide Länder wollen ihren ohnehin engen Kontakt weiter pflegen. Denn die Niederlande sind nach Frankreich der zweitwichtigste Handelspartner Deutschlands. Umgekehrt gehen 25 Prozent der holländischen Exporte in die Bundesrepublik.

Das weiß auch Weils zweiter Gesprächspartner, König Willem Alexander. In einem kurzen Gespräch auf Deutsch seien viele wichtige Themen angesprochen worden, die beide Länder gleichermaßen beschäftigen – vom demografischen Wandel über Mindestlohn und Energiewende bis zu besagtem Außenhandel.

Zum Auftakt seiner Reise hatte Weil mit Vertretern beider Kammern des niederländischen Parlaments gesprochen. Themen seien unter anderem die Europawahl am 25. Mai und die Krise in der Ukraine gewesen.

Am Nachmittag wartete mit der Besichtigung der gigantischen Konverterplattform „HelWin 2“ der laut Weil „praktische Teil“ der Reise. Der 100 Meter lange, 42 Meter breite und 27 Meter hohe Koloss hat die Aufgabe, die Windenergie für den Transport durch Unterseekabel in Gleichstrom zu verwandeln. „Das ist Riesenphysik“, staunte Weil. Der niederländische Stromnetzbetreiber Tennet, in dessen Auftrag „HelWin 2“ gebaut wird, sei ein entscheidender Partner für die deutsche Energiewende.