Hannover/Gorleben - Ein überraschender Vorstoß von SPD-Landeschef Stephan Weil in der Endlagerfrage sorgte am Mittwoch in den betroffenen Regionen für Aufregung. Weil hatte in einem Interview erklärt, dass bei der Suche nach einem Atommülllager für hoch radioaktive Abfälle auch andere Teile Niedersachsens außer Gorleben in Betracht genommen werden müssten. Explizit nannte der SPD-Spitzenkandidat die Landkreise Emsland und Hildesheim.

Die betroffenen Regionen reagierten prompt. Emsland-Landrat Reinhard Winter (CDU) erklärte, dass ein Standort in seinem Landkreis ausgeschlossen sei. „Es überrascht nicht, dass alle Salzstöcke, die bereits in den siebziger Jahren als Speicherstätten für radioaktiven Abfall in der Diskussion waren, bei einem Scheitern des Projektes in Gorleben wieder thematisiert werden“, erklärte Winter. „Der emsländische Standort bei Wahn wurde aber auch damals schon aus guten Gründen ausgeschlossen.“

„Für die Betrachtung eines möglichen Standortes Hildesheim gibt es keinerlei wissenschaftliche Grundlage“, erklärte der Hildesheimer Oberbürgermeister Kurt Machens (parteilos). Es sei unklug, einzelne Standorte zu diskutieren und damit die Bürger zu verunsichern. Auch der Hildesheimer CDU-Bundestagsabgeordnete Eckart von Klaeden wies den Vorstoß zurück. „Es ist schlicht unseriös, wenn Herr Weil erklärt, er wolle Gorleben aus der Endlagersuche für Atommüll herausnehmen, und zugleich fordert, die Geologie und nicht die Politik solle über den Standort für ein atomares Endlager entscheiden“, sagte von Klaeden.

Weil selbst forderte am Mittwoch nach seinem ersten Besuch in Gorleben den sofortigen Stopp des Erkundungsbergwerks. Die geologischen Zweifel seien nach 40 Jahren Debatte nicht kleiner, sondern größer geworden. „Deshalb ist es an der Zeit, die Akte Gorleben zu schließen“, sagte Weil. Dem schloss sich der Naturschutzbund BUND an. Gorleben sei geologisch ungeeignet und ein „politisch verbrannter Standort“, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger in Hannover.

Umweltminister Stefan Birkner (FDP) widersprach: „Ein sofortiges Aus für Gorleben wäre politisch und wissenschaftlich verantwortungslos.“