Oldenburg - Ministerpräsident Stephan Weil reckt die beiden Daumen in die Höhe. Strahlt. Gut 96 Prozent hat der SPD-Landesvorsitzende soeben auf dem Parteitag in Oldenburg eingeheimst als Bestätigung für die nächsten zwei Jahre an der Spitze. Eine Punktlandung für den Hannover ’96-Fan. Die Delegierten jubeln. Harmonie pur. Fast nostalgisch erinnern sich Genossen, wie früher schon mal die Fetzen flogen, die Bezirke sich auf den Landesparteitagen regelrechte Schlachten lieferten. Nicht unter Weil. Der Regierungschef hat seine Partei im Griff.

Da stören selbst Lehrer nicht. Rund 200 Pädagogen demonstrieren vor den Türen der Weser-Ems-Halle gegen die vorgesehene Mehrarbeit an Gymnasien ab nächstem Schuljahr. „Wortbruch“ skandieren sie.

Drinnen ärgert die rund 220 Delegierten mehr die schwache Klimaanlage. Sakkos fliegen auf die Stuhllehnen. Weil steht bald im Hemd da. Nur Oldenburgs Oberbürgermeister-Kandidat, Jürgen Krogmann, behält korrekt seinen Anzug an beim Grußwort an die Genossen. „Oldenburg ist ein tolle Stadt, die eine bessere Führung verdient hätte“, sagt Krogmann: „Ich brenne für diese Stadt.“ In den Beifall lobt die nordniedersächsische Bezirkschefin Petra Tiemann: „Du bist ein super Oberbürgermeister-Kandidat.“ Mancher zuckt. Nur Kandidat?

Eine kleine Randstörung wie der später niedergebügelte Vorstoß der Jusos für einen flächendeckenden Mindestlohn ohne Ausnahmen. Dann wird eben so lange immer wieder abgestimmt, bis sich die Linie der SPD-Führung durchgesetzt hat.

Und diese Linie gibt nur einer vor: Weil. Selbstbewusst lässt der Ministerpräsident die letzten zwei Jahre Revue passieren: Der Landtagswahlkampf, der Wahlsieg, die Koalition mit den Grünen, die starke Rolle Niedersachsens bei den Verhandlungen vor der Großen Koalition in Berlin – „tolle Arbeit“, attestiert Weil nicht nur den Ministern seines Kabinetts und der Fraktion im Landtag, sondern auch der Basis.

Mit Blick auf die nächsten Regierungsjahre sieht der 55-Jährige die niedersächsische SPD als Partei der Bildung, der guten Arbeit und einer florierender Wirtschaft. Auch in der Bildungspolitik werde es unter Rot/Grün erhebliche Veränderungen geben, nicht nur die Rückkehr zu einem Abitur nach 13 Schuljahren an Gymnasien. Wegfall der Studiengebühren, flächeneckendes Ganztagsangebot an Schulen, mehr frühkindliche Erziehung, Entstressung an Gymnasien. Dazu eine solide Finanzpolitik, die die Schuldenbremse einhält.

Beim positiven Blick nach vorne könne sich die SPD nur selbst gefährden, mahnt Weil. „In Niedersachsen haben wir zu echter Geschlossenheit gefunden. Diese Geschlossenheit müssen wir hegen und pflegen.“ Ein erfolgreicher Appell. Die Vorstandswahlen laufen völlig harmonisch. Alle Kandidaturen ziehen. Mit Detlef Tanke wird ein neuer Generalsekretär installiert.

Kritik gibt’s von CDU-Generalsekretär Ulf Thiele. Er sieht einen Parteitag des „Stillstands, blutleer und ideenlos“, rügt Thiele.