Hannover - Sein mit Spannung erwartetes Schattenkabinett will SPD-Spitzenkandidat Stephan Weil in Kürze vorstellen. Schon jetzt wird in Hannover kräftig über die mögliche Ministerriege spekuliert. Weil selbst lässt sich dazu kaum einen Satz entlocken. Es sieht danach aus, dass er alle Kandidaten gleichzeitig präsentiert und nicht wie Vorgänger Wolfgang Jüttner 2007 jede Woche einen neuen „Schattenminister“.

Weil muss bei seiner Auswahl eine Reihe von Faktoren berücksichtigen. Die Landtagsfraktion muss ausreichend vertreten sein, die vier SPD-Bezirke werden auf eine regionale Ausgewogenheit bestehen.

Und natürlich muss der SPD-Landeschef auch auf eine gute Mischung von Frauen und Männern achten. In der SPD wurden zuletzt Befürchtungen geäußert, Weil wolle ein Kabinett aus Technokraten bilden, also vor allem verdiente Landräte oder Oberbürgermeister nach Hannover holen.

An der Spitze der Spekulationsliste steht der Osnabrücker Oberbürgermeister Boris Pistorius für das Innenministerium. Genannt werden auch Friesland-Landrat Sven Ambrosy und der Hauptgeschäftsführer des Städtetages, Heiger Scholz, der das Finanzressort übernehmen könnte.

Fraktionsvize Olaf Lies (Sande) könnte ins Wirtschaftsministerium einziehen. Nach seiner Niederlage gegen Weil im Kampf um die Spitzenkandidatur hat er sich als loyal erwiesen.

Falls Weil Lies doch übergehen will, müsste er einen anderen Schattenminister aus dem Bezirk Weser-Ems nominieren – etwa Parlamentsgeschäftsführerin Johanne Modder (Bunde). Auch die Fraktionsvizes Frauke Heiligenstadt (Kultus) und Gabriele Andretta (Wissenschaft) werden genannt. Für die Justiz kommt der Vizepräsident des Staatsgerichtshofs, Herwig van Nieuwland, infrage.

Die Lücke im Bezirk Braunschweig könnte die Bundestagsabgeordnete Carola Reimann (Soziales) füllen. Den Bundespolitikern werden aber allgemein wenig Ambitionen nachgesagt, vor der Bundestagswahl nach Niedersachsen zu gehen.

Bleibt noch die Frage, was aus Doris Schröder-Köpf wird. Die schillernde Ex-Kanzler-Gattin würde Weil mediale Aufmerksamkeit bringen, hat aber Gegner in den eigenen Reihen. Zudem gibt es mit Reimann und Fraktionsvize Uwe Schwarz Konkurrenz um das Sozialressort.