Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Audienz Weil von Papst Franziskus tief beeindruckt

Gunars Reichenbachs Zurzeit Rom

Rom - „Einen festen, klaren Händedruck besitzt der Papst“, bestätigen diejenigen, die dem Heiligen Vater am Montagvormittag die Hand schütteln dürfen. Klare Sprache, hellwach, politisch äußerst interessiert – Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) trifft bei seiner Privataudienz bei Franziskus im Vier-Augen-Gespräch auf einen Gegenüber, der nicht nur ein paar Worte Deutsch nach einem Studienaufenthalt 1985 spricht und Deutsch wohl exzellent versteht, sondern bestens informiert ist. „Papst Franziskus hat mich tief beeindruckt“, sagt Weil später: „Ich habe die Begegnung genossen.“

Ruhig und sachlich

„Sehr ruhig und sehr sachlich“, so Weil im Gespräch mit dieser Zeitung, habe der ganz in Weiß gekleidete Papst vor allem die Themen Flüchtlinge, europäische Kultur und das Verhältnis zu Muslimen erörtert. Weil: „Dieser Papst ist ein Gewinn für die Kirche. Er will viel bewegen.“

Die Ehre einer Privataudienz gilt nicht so sehr dem Katholiken Weil, der nicht mehr in der Kirche ist, sondern dem Präsidenten des Bundesrates – dem protokollarisch zweithöchsten Amt in Deutschland. Lang fällt der Gang in den päpstlichen Flügel des Vatikan aus.

Weil nutzt die Begegnung, die heiligsten Säle und Räume zu besichtigen. Da gehen Türen auf, die anderen verschlossen sind. Vorbei geht die Privatbesichtigung an den berühmtesten Werken Raffaels (Philosophen-Schule und Theologen-Disput) sowie dem genialen Michelangelo. Lange verharrt Weil in der Sixtinischen Kapelle. 60 Jahre hat ihre Fertigstellung gedauert.

Papst Franziskus ist niemand, der sich mit Unnahbarkeit in den Mantel der Geschichte hüllt. Nicht einmal den päpstlichen Siegelring lässt Franziskus küssen. Es ist dem bescheidenen Argentinier, der die prunkvollen Amtsgemächer nicht bewohnt, sondern im spartanischen Gästehaus schläft, schlicht unangenehm. Ein Mann der praktischen Seelsorge, nicht so sehr ein asketisch-intellektueller Theologe wie Benedikt XI.

„Die Wirklichkeit ist wichtiger als die Idee“, lautet das Motto von Papst Franziskus, sagt Annette Schavan, deutsche Botschafterin beim Heiligen Stuhl im Gespräch mit dieser Zeitung. „Franziskus ist wichtig, dass sich die Kirche bewegt“, ergänzt die frühere Bundesministerin und CDU-Politikerin. Und: „Franziskus provoziert gern.“

Weil erlebt weniger Provokation, sondern die Tiefe Sorge des Heiligen Vaters vor dem weltweiten Flüchtlingselend. Nachdrücklich ermuntert Franziskus Deutschland, weiter bereitwillig Schutz zu gewähren. „Europa muss seine Türen klug für Flüchtlinge öffnen,“ gibt Franziskus dem Gast als Botschaft an die Bundesregierung – und die Länder – mit auf den Weg.

Respekt für Gast

Die Privataudienz endet nach exakt 26 Minuten. Eine Zeitdauer, die Respekt für den Gast ausdrückt. Jeder Papst-Besuch wird fast schon mit dem Sekundenzeiger gemessen. Zurück lässt Weil zwei Faksimile eines Briefwechsels aus dem 17. Jahrhundert des deutschen Gelehrten Leibniz mit einem Jesuiten in China. Ein Dokument aus dem Weltdokumentenerbe der UNESCO. Eine kleine Verbeugung des niedersächsischen Ministerpräsidenten vor dem Jesuiten Franziskus.

Doch auch der Vatikan hofiert den Deutschen. Der „Außenminister“ des Vatikan, Erzbischof Mamberti, wünscht ebenfalls das Gespräch mit Weil. Dann geht es aus dem apostolischen Palast nach draußen – ins so weltliche Rom.

Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Ein Mann zündet sich einen Joint an. In der Umgebung von Schulen und Spielplätzen ist das Kiffen in Niedersachsen weiterhin verboten. Doch wer kontrolliert die Einhaltung?

TEIL-LEGALISIERUNG IN NIEDERSACHSEN Städte und Gemeinden fordern Klarheit und Unterstützung bei Cannabis-Kontrollen

Christina Sticht (dpa)
Hameln
Nach zwei Kellerbränden sucht die Polizei Wilhelmshaven nun Zeugen.

KELLERBRÄNDE IN WILHELMSHAVEN Treibt schon wieder ein Brandstifter sein Unwesen?

Stephan Giesers
Wilhelmshaven
Die AfD hatte bereits Anfang Februar zu einem Bürgerdialog ins Schortenser Bürgerhaus eingeladen, draußen versammelten sich mehrere Hundert Personen zu einer Gegendemo.

SCHORTENSER DEMOKRATIE-FEST ABGESAGT Nun übernehmen Antifa, Jusos und Fridays for Future

Oliver Braun
Schortens
Live-Blog
Bei der EM in Schleswig-Holstein im Jahr 2022 war die Stimmung ausgelassen: Ab Donnerstag wird es in Neuharlingersiel ähnlich aussehen.

BOSSELN UND KLOOTSCHIESSEN Europas beste Friesensportler – der Live-Blog zur EM in Neuharlingersiel

Neuharlingersiel
Die beiden Bestandsgebäude auf dem ehemaligen Friedeburger Schulgrundstück gehen ihrer Vollendung entgegen. Im Bild der sogenannte Turm.

KLASSENZIMMER WERDEN ZU WOHNRAUM Friedeburger wohnen jetzt dort, wo früher Kinder unterrichtet wurden

Detkef Kiese
Friedeburg