Hannover - „Sollen Kinder demnächst mit Pfefferspray in den Wald gehen?“ Der CDU-Landtagsabgeordnete und Landwirt Ernst-Ingolf Angermann macht sich große Sorgen um mögliche Begegnungen zwischen Wolf und Mensch in Niedersachsen. Er vermisst nach wie vor ein „Wolfskonzept“ der rot-grünen Landesregierung angesichts einer Population von mittlerweile 80 Wölfen und einer Goldenstedter Wölfin, „die nachweislich mehr als 200 Tiere gerissen hat“. Nicht die einzige offene Frage, die an diesem Donnerstag im Parlament gestellt wird.

Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) versucht nach Kräften die Bedenken zu zerstreuen, verspricht vor allem für geschädigte Nutztierhalter im Nordwesten „mehr Beratung“, ganz besonders in den Regionen rund um Oldenburg und Vechta sowie Diepholz. Wenzel warnt, im Wolf einen Feind zu sehen. „Der Wolf übernimmt im natürlichen Ökosystem eine ganz wichtige Rolle als Gesundheitspolizei, die die Schwächsten zur Beute nimmt“, versichert er: „Von einem gesunden Wolf geht keine Gefahr aus.“

Das in der Lüneburger Heide geschossene Exemplar („Kurti“) sei zum Problem-Wolf geworden, weil Menschen ihn mit Futter versorgt hätten. Deshalb lautet die klare Regel, so Wenzel: „Wer einen Wolf füttert, bringt sich und den Wolf in Gefahr.“ Für den Menschen sei das geschützte Tier keine Bedrohung: „Eher umgekehrt. Der Wolf ist durch den Verkehr bedroht. Jede Straßenquerung ist für ihn gefährlicher als ein Spaziergang für den Menschen im Wolfsrevier.“

Wirklich? Der FDP-Wolfsexperte Gero Hocker meldet starke Zweifel an. Weder gebe es ein Konzept angesichts einer „explodierenden Wolfspopulation“, kritisiert Hocker, der nach dem Abschuss von „Kurti“ von sogenannten Wolfsfreunden sogar Morddrohungen erhielt, weil er die Maßnahme begrüßt hatte. Noch funktioniere die Entschädigung von Nutztierhaltern, die unter Wolfsrissen zu leiden hätten, setzt der Liberale hinzu.

Auch für den Präsidenten der Landesjägerschaft, Helmut Dammann-Tamke, ist es ein Rätsel, wie die Landesregierung die Wolfspopulation regulieren will. „Die Beute tut es nicht“, betont der Jäger.