Hannover - Umweltminister Stefan Wenzel lehnt eine Ausweitung des Mindestabstands von Windrädern zur Wohnbebauung ab. Der Grünen-Politiker stellt sich damit gegen Windkraft-Bürgerinitiativen, die als Abstand die zehnfache Höhe eines Windrads fordern. „Ich begrüße, dass sich Bürgerinitiativen bilden und freue mich auf einen kritischen Dialog“, betont Wenzel im Gespräch mit dieser Zeitung. Aber der geforderte Mindestabstand entspreche dem Verlangen von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) „und würde dazu führen, dass die Energiewende beendet würde“, kritisiert der Umweltminister, „weil dann vielleicht 0,1 Prozent der Landesfläche in Niedersachsen übrig bliebe.“ Wer das Ende der Energiewende wolle, „muss das dann auch ehrlich und offen sagen“.
Im anstehenden Winderlass werde die Landesregierung „keine eigenen Vorgaben machen, sondern die regionalen Planungsträger stärken“, kündigt Wenzel an. Der Abstand richte sich dann nach Bundesrecht. „Im Einzelfall“ könnten größere Abstände gewählt werden. Diese Frage sei „vor Ort am besten zu klären“. Der Abstand hänge dann wesentlich von der Lärmbelastung ab. Die Grenzwerte seien schärfer als bei Lärm durch Verkehr.
Diese Flexibilität biete auch die Chance, „Fehler der Vergangenheit zu korrigieren“, so Wenzel. Beispielsweise an manchen Orten größere Abstände und zum Ausgleich an anderen Standorten mehr Windräder vorzusehen. An einem Punkt will Niedersachsens Umweltminister jedoch auf keinen Fall rütteln: „Wir können auf Windkraft nicht verzichten.“ Dem Argument, dass Windräder eine Gefahr für die Gesundheit von Menschen darstellten, mag Wenzel nicht folgen: „Wir haben grundsätzlich ausreichende Grenzwerte.“ Da sehe er keinen Änderungsbedarf.
Auch Gefahren für Naturschutzgebiete kann Wenzel nicht durch Windkraft erkennen. Hier müsse aber sorgfältig geprüft werden. Schließlich gebe es sogar die Möglichkeit, mit Rücksicht auf die Natur Windräder temporär abzuschalten. „Das sollte man sich mal beim Straßenverkehr vorstellen“, erinnert Wenzel an strikte Regelungen allein für Windräder. Im Übrigen geht Wenzel davon aus, „dass die Zahl der Windmühlen langfristig bei steigender Leistung abnehmen wird“. Die Anlagen würden besser.
