WESERMARSCH - Mit einem symbolischen Knopfdruck hat Ministerpräsident Christian Wulff gemeinsam mit Umweltminister Hans-Heinrich Sander und Deichband-Vorsteher Leenert Cornelius am Montag das Startsignal für die Deichverstärkung am östlichen Jadebusen gegeben. In Hobenbrake wurde die erste Spundwandbohle binnendeichs in den Boden gepresst.
Damit werde das Signal gegeben, dass man „in der Wesermarsch auch in Zukunft gut und sicher leben kann“, betonte der Ministerpräsident vor rund 600 geladenen Gästen. Die Notwendigkeit, den Deich am Jadebusen zu verstärken sei erkannt, so Wulff weiter. Er versprach, dass der II. Oldenburgische Deichband noch in diesem Jahr „bis zu vier Millionen Euro“ bekommen werde und dass „in den nächsten Jahren weitere Mittel“ fließen würden. „Hier wurde schon viel getan, aber es ist auch noch viel zu tun“, unterstrich Wulff.
Das Einbringen der Spundwand dient der Deichstabilisierung, erklärte Leenert Cornelius, Vorsteher des II. Oldenburgischen Deichbandes. Denn der Untergrund des Deiches sei „breiig bis flüssig“, deshalb müsse vor der notwendigen Deicherhöhung erst der weiche Untergrund mit dem festen Sand verbunden werden – durch die Spundwand („vernagelt“). Die Bohlen werden binnendeichs auf einer Länge von rund sechs Kilometern zwischen Schweiburger Mühle und Hobenbrake bis zu 17 Meter tief in den Boden gepresst. Diese Methode sei im Deichbau bisher einmalig, unterstrich Cornelius. Deshalb werde man damit zunächst „Erfahrungen sammeln“. Der Deichband-Vorsteher rechnet für das Einbringen der Spundwand mit einer Bauzeit von rund anderthalb Jahren – je nachdem, wie viel Geld dafür zur Verfügung gestellt wird. Erst danach beginnen die eigentlichen Deicherhöhungsmaßnahmen.
Landrat Michael Höbrink dankte Cornelius für dessen „ständige, fast penetrante Art“, Geldmittel einzufordern. Denn dieses Geld sei dringend notwendig, damit die Arbeiten fortgesetzt werden können. „Wir sind in tiefer Sorge“, erklärte der Landrat angesichts erkennbar steigender Wasserstände. Küstenschutz sei „kein parteipolitisches Thema, das können wir nur parteineutral betrachten“, betonte Höbrink.
„Wir sind auch hierher gekommen, um mit Nachdruck klarzumachen, dass dringend weitere Finanzmittel notwendig sind“, erklärte der Jader Bürgermeister Henning Kaars als Vertreter der Kommunen. „Wir leben hier mit einer gewissen Angst“, so Kaars weiter. Als „Mahnung“ überreichte Kaars dem Ministerpräsidenten ein Buch über Sturmfluten.
Manfred Ostendorf, Geschäftsführer des Kreislandvolks und Deich-Anwohner in Schweiburg, schilderte seine Empfindungen bei den schweren Sturmfluten im November 2006 und im Januar 2007, als das Wasser fast bis zur Deichkrone auflief. „Das hätte uns böse erwischt“, verwies Ostendorf darauf, dass sich diese bedrohlichen Situationen damals nur durch rechtzeitiges Drehen der Winde entschärft haben.
