Oldenburg - Ich wollte mit meiner Freundin am Abend nach Bremen fahren. Um Zeit zu sparen, bin ich schon am frühen Nachmittag zum Bahnhof gefahren und wollte zwei Fahrkarten kaufen. Ich bin zu einem besetzten Schalter gegangen und habe nach den Fahrkarten verlangt. Freundlich, aber bestimmt bin ich darauf hingewiesen worden, dass es Fahrkarten im Nahverkehr nur am Automaten gibt.
Ich bin also in die große Bahnhofshalle gegangen und habe mir den Automaten angeschaut. Ich bekam gleich einen großen Schreck und dachte, wie soll ich da Karten heraus bekommen. Das kriege ich nicht hin. Eine Weile habe ich den Menschen zugesehen, wie sie ihre Karten ziehen. Dann wollte ich es selber versuchen, doch die vielen Knöpfchen und Schriften haben mich total irritiert. Immer wenn ich in Ruhe lesen wollte, kam schon der nächste eilige Fahrgast und war am Drängeln.
Artikel über die ABC-Selbsthilfegruppe Oldenburg: Mit dem Lesen beginnt ein neues Leben
Ich kann aber nur langsam lesen und brauche Zeit, um alles aufzunehmen und zu verstehen. Das wurde mir dann alles zu viel und da habe ich ganz mutig einen jungen Mann angesprochen und ihn gebeten, mir das alles mal zu erklären. Er war sehr nett und hat mir das Ganze in zwei Sekunden erklärt. Ich habe mich bedankt, doch verstanden habe ich nichts.
Dann habe ich eine ältere Frau angesprochen. Die hatte leider keine Zeit und so weiter. Völlig entnervt bin ich zu dem Schalter zurück.
Das Personal hatte inzwischen gewechselt. Jetzt hatte ich eine Dame vor mir. Ich habe ihr mein Problem erklärt und sie gebeten, mir doch zwei Karten zu verkaufen. Sie hat mir gesagt, dass das nicht geht. Ich habe sie dann gefragt, was denn die Menschen machen sollen, die nicht lesen und schreiben können. Sie gab zur Antwort: „Dann können sie nicht Zug fahren!“
