WILHELMSHAVEN - Es fehlt an qualifiziertem Nachwuchs in der Einrichtung. Karin Evers-Meyer und Hans-Werner Kammer sehen die Handlungsfähigkeit des Marinearsenals in Gefahr.

Von Jürgen Westerhoff

WILHELMSHAVEN - „Wir machen uns augenblicklich große Sorgen um die Zukunft des Wilhelmshavener Marinearsenals. Die vorliegenden Anforderungen zu personellen Einsparungen sind durchaus alarmierend.“ Diese Bilanz zog gestern die SPD-Bundestagsabgeordnete Karin Evers-Meyer, die gemeinsam mit ihrem CDU-Kollegen Hans-Werner Kammer ein Gespräch mit dem Leitenden Direktor des Marinearsenals, Christian Brix, über die augenblickliche Lage des Betriebs geführt hatte.

Die beiden Abgeordneten sehen angesichts der aktuellen Diskussion nicht nur die Handlungsfähigkeit und Selbstständigkeit des Arsenals in Gefahr, sondern machen sich auch Sorgen um die Funktionsfähigkeit der Marine, die insbesondere wegen ihrer weltweiten Einsätze auf eine solide Unterstützung des Arsenals insbesondere im Bereich der Sofort-Instandsetzung angewiesen sei.

Eine weitere gravierende Folge der augenblicklichen Spar-Überlegungen im Koblenzer Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) sei die Tatsache, dass es keinen qualifizierten Nachwuchs im Arsenal gebe – mit der Folge, dass bestimmte Aufgaben wegen Überalterung der Beschäftigten immer schwieriger zu leisten seien und einem gleichzeitigen Verlust an „nachwachsendem Wissen“ durch junge Mitarbeiter.

Kammer kritisierte, dass im Bundesamt die anfallenden Aufgaben des Arsenals nicht ausreichend berücksicht würden. Zugleich, so Evers-Meyer, gebe es keinen Hinweis darauf, dass die Oberbehörde auch Personaleinsparungen im eigenen Bereich prüfe. Sparmaßnahmen könnten aber nicht nur in der Fläche stattfinden, zumal wenn dadurch die Handlungsfähigkeit eines für die Marine so wichtigen Betriebs gefährdet werde.

Kammer: „Die konstruktiven Vorschläge der Arsenalleitung müssen in Koblenz intensiver als bisher behandelt werden.“ Beide Abgeordnete wollen sich auf der politischen Schiene für eine vernünftige Lösung einsetzen. Deshalb werde in dieser Frage jetzt der direkte Kontakt zum Verteidigungsministerium gesucht, wobei es sicherlich ein Vorteil sei, dass mit Staatssekretär Thomas Kossendey (CDU, Oldenburg) ein ausgewiesener Marine-Experte in verantwortlicher Position tätig sei.

Die Koblenzer Überlegungen sehen eine radikale Zentralisierung der Arsenalverwaltung sowie die Streichung wichtiger Aufgaben wie die Sofort-Instandsetzung vor – verbunden mit einem möglichen Abbau von über 300 Beschäftigten.

Interview, S.14

„Bei den Sparüberlegungen werden die vorhandenen Aufgaben übersehen“