WILHELMSHAVEN/HANNOVER - Der Hafenbau hat eine weitere Hürde genommen. Wenn alles gut geht, wird ab Herbst gebaggert.

Von Thomas Hellmold

und Marco Seng

WILHELMSHAVEN/ HANNOVER - Politische Prominenz ist in der Provinz schon weniger herzlich empfangen worden. Wolfgang Tiefensee (SPD) jedenfalls, der Bundesverkehrsminister, der aus dem Osten kam, findet in Wilhelmshaven offenbar lauter Freunde vor, als er am Freitag ins Rathaus kommt, um sich vor Ort ein Bild von Stand der Dinge um den geplanten Bau des Jade-Weser-Ports zu machen. Dieser Hafen, daran lässt Tiefensee gar nicht erst Zweifel aufkommen, ist eine Aufgabe von nationalem Rang. „Das scheint sich immer noch nicht überall herumgesprochen zu haben“, sagt Tiefensee und meint mit dem Seitenhieb vermutlich jene politischen Akteure, die sich im – wie der Minister das empfinden mag – kleinlichen Länder-Hickhack das Leben unnötig schwer machen.

In Wilhelmshaven scheint beim Ministerbesuch nicht nur am Himmel die Sonne. Im Rathaus, in der Hafenwirtschaft und in der lokalen Politik ist man froh, dass die Aufregung um das Vergabeverfahren über den Bau des einzigen deutschen Hafens mit Tiefgang bis zu 20 Meter zunächst mal vorbei ist. Mit der Entscheidung des Aufsichtsrates der Jade-Port-Realisierungsgesellschaft für das Konsortium um den Essener Baukonzern Hochtief sehen alle eine weitere Hürde übersprungen auf dem Weg zu dem Ziel, diesen Hafen zu bauen so schnell es irgend geht.

Oberbürgermeister Eberhard Menzel (SPD) und Realisierungsgesellschafts-Geschäftsführer Helmut Werner wissen schon gar nicht mehr, mit welchen Argumenten sie noch kommen müssen, um auch dem letzten Jade-Port-Gegner klarzumachen, dass es zum Bau des Hafens keine Alternative gibt. Fest steht: Die Riesenpötte der nächsten Generationen können nicht mehr die Weser und schon gar nicht die Elbe ansteuern – in die bundesweit einzigartig tiefen Gefilde des Jadereviers aber gelangen sie ohne Problem.

Problematisch hingegen ist die Hinterlandanbindung. Das weiß auch der Minister aus Berlin, und er versichert den Wilhelmshavenern, dass der Bund in Sachen Infrastruktur „seinen Part zu spielen gedenkt“. Die Bahnstrecke werde ausgebaut, da bedürfe es keiner großen Überredungskunst, Bahnchef Hartmut Mehdorn von der Dringlichkeit des Unterfangens zu überzeugen. Die Verkehrsknoten in Bremen und Oldenburg, die Ortsumgehungen und der Lärmschutz – das alles steht auf Tiefensees Agenda, und auch das Geld dafür sei im Investitionsrahmenplan vorhanden. Nur alles auf einmal zu erledigen, das gehe nun mal nicht, bremst der Minister allzu forsche Umsetzungswünsche. Und die geplante Küstenautobahn A 22? „Die ist als Achse zwischen A 28 und A 20 zwingend notwendig, und sie wird kommen“, kündigt Tiefensee an. Wann das sein wird, kann er jedoch nicht genau sagen.

Auch den Baubeginn für den Jade-Port kann wegen des Vergabestreits und möglicher juristischer Nachspiele noch niemand exakt benennen. Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) und sein Wirtschaftsminister Walter Hirche (FDP) beharren auf dem Herbst. Ließe sich dieser Termin halten, dann wäre der Stoßseufzer der Erleichterung aus dem hohen Norden wahrscheinlich bis Bayern zu vernehmen.