WILHELMSHAVEN - Der Marinestützpunkt Wilhelmshaven bot noch am Sonntag ein ungewohntes Bild: An der Hauptwache wehten die Flaggen zahlreicher NATO-Staaten, deren Schiffe in der 4. Einfahrt vor Anker lagen. Allein wegen seiner Größe war dabei das 199 Meter lange französische Landungsschiff „Mistral“ unübersehbar.
Die meisten Schiffe werden Wilhelmshaven an diesem Montag wieder verlassen, um beim internationalen Manöver „Brilliant Mariner“ aus Nord- und Ostsee bis zum 22. April ihre Einsatzfähigkeit unter Beweis zu stellen.
Kampf gegen Terrorismus
An Bord der „Mistral“ stellte Konteradmiral Jean-Louis Kérignard am Sonntag Einzelheiten der Übung vor, an der sich auf Nord- und Ostsee knapp 40 Schiffe von zwölf Länder mit insgesamt 6500 Soldaten teilnehmen. „Wir werden die Überwachung, Luftunterstützung und den Kampf gegen den Terrorismus üben“, erklärte der Admiral am Sonntag. Die Übung ist für Kérignard „eine Möglichkeit, mit großer Effizienz zu trainieren und zu zeigen, dass Frankreich ein verlässlicher Partner ist“.
Kommunikation im Test
Vor allem strategische und taktische Entscheidungen stehen bei der Übung auf dem Prüfstand. „Da fällt kein einziger Schuss“, versichert Kapitän zur See, Axel Ostermann. Der deutsche Offizier leitet ein unabhängiges Team, das zum Beispiel die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Schiffen und die Kommunikation auf Englisch untereinander prüft. „Wenn das nicht funktioniert, wird es schwierig“, befürchtet Ostermann.
Während der Übung wird sich der Verband nach Angaben von Kérignard „verschiedenen Szenarien stellen müssen, die den aktuellen Anforderungen an die NATO entsprechen“. Dazu gehören auch simulierte Einsätze gegen Piraten. Auf mögliche Anforderungen der Vereinten Nationen übt der Verband ebenfalls den Einsatz in einem Krisengebiet, wo ein ein angenommener Bürgerkrieg oder Putsch droht. Die französische Marine will sich mit ihrer Teilnahme für den Einsatz an der schnellen Eingreiftruppe „NATO Response Force“ zertifizieren.
Geführt wird „Brilliant Mariner“ vom englischen North- wood aus. Die Kommandozentrale mit modernsten Computer-Arbeitsplätzen und Satellitenkommunikation für bis zu 200 Soldaten ist auf dem französischen Multifunktionsschiff „Mistral“ untergebracht. Es dient als Hubschrauberbasis, ist aber auch als Versorger, für den Einsatz bei amphibischen Landeoperationen und als Lazarettschiff mit bis zu 100 Betten geeignet. Im Sommer 2006 nahm die „Mistral“ mehr als 5000 Menschen aus dem Libanon auf, nachdem Israel das Land von der Außenwelt abgeschnitten hatte.
Flugzeugträger unterwegs
Die deutsche Marine nimmt mit fünf Überwasserschiffen, einem U-Boot und rund 600 Soldaten an „Brilliant Mariner“ teil. Bereits am Sonntag ist von Cuxhaven aus der französische Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ mit einem kompletten Flugzeuggeschwader an Bord ausgelaufen. Das nuklear angetrieben Schiff ist 261,5 Meter lang und 31,5 Meter breit. Zur Mannschaft gehören 1950 Personen.
