WILHELMSHAVEN - Es war ein gefährlicher Auftrag, doch jetzt ist er glücklich beendet. Das Marinemusikkorps der Bundeswehr schmettert schmissige Marschmusik, an der Pier jubeln mehr als 100 Angehörige und Freunde. Nach sechs Monaten Anti-Terror-Einsatz am Horn von Afrika kehrt die Fregatte "Emden" am Dienstag nach Wilhelmshaven zurück. Die Besatzung, die ihr Schiff stolz "Tiger der Nordsee" nennt, hat einige brenzlige Situationen erlebt. Besonders Fregattenkapitän Michael Giss ist froh, dass er Schiff und Mannschaft heil zurückgebracht hat: "Es ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl, wieder hier zu sein. Sechs Monate auf See sind eine lange Zeit."

Angehörige aus ganz Deutschland sind angereist, vor allem Ehefrauen und Freundinnen der Seeleute: "Wir sind die zweite Besatzung", sagt die Freundin eines Marinesoldaten aus Flensburg. Auch ein Transparent mit kyrillischer Schrift ist zu sehen - Grüße von russischen Freunden eines Seemannes der "Emden" aus Berlin.

Von ihrem Hauptstützpunkt in Dschibuti aus hatte die Fregatte den Seeraum im Golf von Aden im Rahmen der Operation "Enduring Freedom" (OEF) überwacht. Wenn verdächtige Schiffe aufgespürt wurden, setzten Soldaten des "Boardingteams" per Speedboot oder Hubschrauber über und durchsuchten die Laderäume. Grundlage der Operation ist eine Resolution des Weltsicherheitsrates nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Nach dem Mandat des Deutschen Bundestages darf die Marine im Gebiet der arabischen Halbinsel Schiffe kontrollieren, um den Transport von Waffen und Munition zu verhindern.

"Aus militärischer Sicht war der Einsatz äußerst erfolgreich", bilanziert Giss. Die "Emden" habe nur durch ihre Präsenz Terroristen und Piraten abgeschreckt oder vertrieben, Drogen entdeckt und zivilen Schiffen geholfen. Einer der gefährlichsten Momente war die Bedrohung durch ein Frachtschiff, das mit Schmuggel für Terroristen in Verbindung gebracht wurde. Die Besatzung richtete eine Panzerfaust und andere Waffen auf die "Emden". "Unsere Leute verhielten sich besonnen und professionell, bis die Lage entspannt war", sagt Giss.

Später half die Fregatte dem deutschen Frachter "Amiya Scan", der von Piraten gekapert und erst einen Monat später frei gekommen war. Die Besatzung war ohne Wasser völlig erschöpft und geschwächt, auf ihr lastete ein enormer psychologischer Druck.

Giss sieht in den Piratenüberfällen eine steigende Bedrohung für die Unruheregion. Dies könne auch Folgen für den wichtigen Zugang zum Suez-Kanal haben. "Das ist eine latente Gefahr." Die deutschen Soldaten hätten häufig Hilferufe von zivilen Schiffen gehört.

In den vergangenen Wochen hatte es immer wieder Diskussionen darüber gegeben, dass die Deutsche Marine vor Somalia nicht gezielt Jagd auf Piraten machen darf, aber nach allgemeinem Seerecht Nothilfe leisten kann. Für Fregattenkapitän ist dieses Thema auch nach seiner Rückkehr noch nicht abgeschlossen: "Ich bin gespannt, was bei der politischen Diskussion herauskommt." Zunächst will Giss aber mit seiner Frau Urlaub machen: "Ich fahre nicht weit weg, sondern bleibe in Deutschland."