WILHELMSHAVEN - Als Gastgeschenk gab es einen Maschinentelegrafen. Den stellen Politiker gern auf „volle Fahrt voraus“, weil alles andere nicht in die üblichen Denkschablonen passt. Auch Angela Merkel plädierte am Sonnabend in Wilhelmshaven bei ihrer Rede vor der Maritimen Konferenz für kraftvolle Fahrt nach vorn.

„Viele Untiefen liegen heute hinter uns“, sagte die Bundeskanzlerin vor den 1000 Tagungsteilnehmern. Die maritime Wirtschaft sei wieder auf Kurs, habe Grund zur Hoffnung – und die Bundesregierung wolle tatkräftig helfen, die Erfolgsgeschichte des maritimen Bündnisses fortzusetzen.

Probleme angesprochen

Eher am Rande bekräftigte Merkel die Verringerung der Hilfen an die Reeder: „Nicht alles, was wünschenswert ist, ist auch finanzierbar.“ Gute Chancen gebe es aber bei der Meerestechnik, der Offshore-Windenergie und im Spezialschiffbau.

In der 23-Minuten-Rede war wenig Platz für Konkretes, aber auch Probleme wurden immerhin angesprochen: Die Piraterie sei ein schwieriges Kapitel, ebenso wie die Wettbewerbsverzerrungen im Konkurrenzkampf der Werften mit Asien, und wenn es künftig weniger deutsche Aufträge für den Marine-Schiffbau gebe, werde man überlegen, wie der Export gefördert werden könne.

Nicht verbergen konnte Merkel die Anstrengungen der Tage zuvor, beispielsweise auf dem G-8-Gipfel im französischen Deauville. Wer eine kraftvoll-inspirierende Rede erwartet hatte, sah sich enttäuscht. Zufrieden war die örtliche CDU-Prominenz, die nach der Merkel-Rede noch ihr Foto gemeinsam mit der Kanzlerin bekam.

Vor der Kanzlerin hatten Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer in der Zeltstadt auf dem Gelände des künftigen Containerhafens Jade-Weser-Port gesprochen. Hinterlandanbindung der Häfen, Schiffbau, Meerestechnik, Forschung und Windenergie waren die Schwerpunktthemen.

Strategische Chancen

Während Ramsauer wenig bis keine Zustimmung zu seinen Vorstellungen zur Strukturreform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung sowie zur Veränderung der Förderkriterien der Binnenwasserstraßen bekam, hörten die Wirtschaftsvertreter lieber seine Äußerungen zur Elb- und Weservertiefung, offiziell Fahrrinnenanpassung genannt. Hier gehe es um strategische Zukunftschancen, die schnell in Angriff genommen werden müssten.

Jürgen Westerhoff