WILHELMSHAVEN - Heftiges Termin-Gezerre sowie Verunsicherung über die Hinterlandanbindung überschatten den Bau des Wilhelmshavener Containerhafens Jade-Weser-Port. Während es auf der Baustelle planmäßig voran geht, ringen die Beteiligten hinter den Kulissen verbissen um den Termin für die Inbetriebnahme des Hafens.

Noch in dieser Woche wollen sich die für den Bau verantwortliche Realisierungsgesellschaft und die künftigen Betreiber – das Umschlagsunternehmen Eurogate und die Reederei Maersk – über eine mögliche Verschiebung von November 2011 auf Februar 2012 verständigen. Sollten sich die Parteien nicht einigen, könnte es durchaus zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung kommen.

Eurogate-Chef Emanuel Schiffer vertrat am Montag in Bremen den Wunsch nach einer moderaten Verschiebung offensiv. Schiffer: „Diejenigen, die jetzt ungeduldig werden, haben selbst die bisherigen Verzögerungen zu verantworten.“ Zur Zeit liefen noch die Verhandlungen. „Wir haben eine Vertraulichkeitsvereinbarung mit dem Ziel, bis Ende April ein Ergebnis zu erzielen“, sagte Schiffer. Es könne aber auch Mitte Mai werden, bis ein Resultat vorliege.

Medienberichte, nach denen Maersk den Start des Hafens um zwei bis drei Jahre verschieben wolle, dementierte Schiffer: „Es geht bei den Verhandlungen nicht um Jahre.“ Grundsätzlich sei Eurogate daran interessiert, den Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven so schnell wie möglich in Betrieb zu nehmen. Man habe vor kurzem mit der Ausbildung von 60 weiteren Terminalarbeitern begonnen, außerdem seien wesentliche Bauausschreibungen gestartet und der Bau des Bahnhofes auf dem Terminal beantragt worden.

Verständigungsbereit äußerte sich Axel Kluth, Geschäftsführer der Realisierungsgesellschaft gegenüber dieser Zeitung: „Wir streben noch in dieser Woche eine einvernehmliche Lösung an.“

Heftige Reaktionen hat unterdessen die Nachricht über Verzögerungen bei der Bahnanbindung des Jade-Weser-Ports. ausgelöst

Von einer „Katastrophe“ sprach der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Uwe Beckmeyer (Bremerhaven), sollte es zu zeitlichen Verzögerungen kommen. Beckmeyer ist zugleich Vorsitzender der „SPD-Küstengang,“ einer 33-köpfigen Parlamentariergruppe. Diese Vereinigung der norddeutschen SPD-Bundestagsabgeordneten aus den fünf Küstenländern soll jetzt auch aktiv werden. Die Bundestagsabgeordnete Karin Evers-Meyer (Zetel) kündigte an, dass die SPD-Bundestagsfraktion einen Antrag an die Bundesregierung senden werde, „in der an die Zusagen erinnert werde.

Ähnlich sieht es auch die FDP-Bundestagsabgeordnete Angelika Brunkhorst aus Winkelsett (Landkreis Oldenburg), Vorsitzende der „Salzwassergruppe“, in der sich die 17 Bundestagsabgeordneten der norddeutschen Länder zusammengeschlossen haben: „Es darf keine Verzögerungen geben. Die ambitionierten Zielvorgaben müssen eingehalten werden. Wir dürfen jetzt nicht einen Gang runterschalten.“

Kritik an Land und Bund übte der designierte SPD-Landesvorsitzende Olaf Lies (Sande). Der Bundesverkehrsminister Ramsauer schiebe eine ganze Region aufs Abstellgleis und Niedersachsens Ministerpräsident Wulff zeichne sich durch Schweigen aus.

Während Vertreter der regionalen Wirtschaft eine „Langeooger Forderung“ zur zügigen Hinterland-Anbindung verfassten, verwies der CDU-Bundestagsabgeordnete Hans-Werner Kammer (Zetel) darauf, dass noch keine Entscheidung in dieser Frage gefallen sei: „Wir dürfen uns nicht von Gerüchten irritieren lassen.“ Gleichwohl verfolge er die Entwicklung mit Argusaugen.

NWZ-Spezial: Informationen, Bilder und Videos zum Jade-Weser-Port, dem Jadeport, Jadebay und dem JadeWeserPark.

Jürgen Westerhoff