WILHELMSHAVEN/VAREL - WILHELMSHAVEN/VAREL - Wegen einer Schlamperei im Bundesverkehrsministerium können die Arbeiten zum Neubau von zwei Hochsee-Notschleppern für die Nord- und Ostsee nicht – wie geplant – in diesem Januar, sondern erst im Jahr 2006 ausgeschrieben werden: Das Ministerium habe die erforderliche Erhöhung des Haushaltstitels für den Schutz vor Havarie-Folgen nicht begründet, teilte der FDP-Bundestagsabgeordnete Hans-Michael Goldmann (Aschendorf) mit, jetzt fehle das notwendige Geld.

Von einem „Skandal“ sprach gestern die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste (SDN, Sitz: Varel). Sieben Jahre nach der katastrophalen Havarie der „Pallas“ und „unendlichen Diskussionen“ über die Vermeidung und Bewältigung von Schiffshavarien sei es einfach „unglaublich, mit welcher Lässigkeit das Bundesverkehrsministerium eines der zentralen Probleme des Künstenschutzes angeht“. „Wir sind entsetzt“, sagte SDN-Sprecher Hans von Wecheln.

Wie auch Goldmann sieht der SDN-Sprecher trotz der Schlepper-Panne keine Sicherheitslücke auf See. Noch bis Ende 2006 sind der Hochseeschlepper „Oceanic“ und die Mehrzweckschiffe „Mellum“ und „Neuwerk“ im Bereich der Deutschen Bucht und der Schlepper „Fairplay 26“ in der Ostsee verfügbar.

In der verzögerten Ausschreibung könnte nach Einschätzung von Wechelns die Chance liegen, verbesserte Leistungskriterien durchzusetzen. Das Ministerium will nämlich darauf verzichten, dass Notschlepper unter Bundesflagge fahren und im Deutschen Schiffsregister eingetragen sein müssen. Auch das bisher gültige Kriterium, wonach die Besatzung über ausreichende Fähigkeiten und Erfahrungen für Schlepp- und Bergungseinsätze verfügen müssen, solle nicht mehr gelten. Damit werde „das Sicherheitsinteresse der Küstenbevölkerung ignoriert und Billiglösungen Tür und Tor geöffnet“, kritisierte von Wecheln.