WILHELMSHAVEN/VAREL - WILHELMSHAVEN/VAREL/DRU - Die zum Schutz der deutschen Nordseeküste bereitgestellten Nordseeschlepper nehmen bei schlechtem Wetter die vorgesehenen Bereitschaftspositionen nicht ein. Sie können deshalb möglichen Havaristen nicht schnell genug helfen und schwerwiegende Folgen von Havarien für Mensch und Umwelt abwenden. Darauf hat die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste (SDN, Sitz Varel) hingewiesen. Den Angaben zufolge werden die bundeseigenen Mehrzweckschiffe „Mellum“ und „Neuwerk“ seit Monaten „verspätet bzw. gar nicht eingesetzt“. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) müsse erklären, warum das Notschleppkonzept des Bundes nicht umgesetzt werde, forderte SDN-Sprecher Hans von Wecheln.
Auch während der jüngsten Sturmflut, die zu den schwersten der vergangenen hundert Jahre zählte, seien die Schlepper nicht auf Position gewesen. Trotz einer um 10.45 Uhr herausgegebenen Warnung des Seewetterdienstes Hamburg habe die „Mellum“ am 31. Oktober noch um 13.15 Uhr auf der Position Jade-Reede gelegen. Die „Neuwerk“ lag zu diesem Zeitpunkt in Cuxhaven an der Pier. Erst um 16 Uhr erreichte die „Mellum“ ihre Bereitschaftsposition bei Helgoland, während die „Neuwerk“ noch immer in der Elbmündung bei Cuxhaven lag. Auch in der weiteren Sturmphase mit wesentlich höheren Windgeschwindigkeiten als die vorhergesagten zehn Beaufort sei die „Neuwerk“ nicht wie vorgesehen vor der nordfriesischen Küste bei Süderoogsand stationiert worden.
Das Bundesverkehrsministerium nehme Sicherheitslücken offenbar bewusst in Kauf, kritisierte Hans von Wecheln. Die SDN will die Bundestagsabgeordneten aus der Nordseeküsten-Region bitten, bei der Aufklärung der Vorgänge zu helfen.
