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Wir fordern ein Havariekommando für Biogasanlagen

Anna Zacharias

FRAGE:

Sie bezeichnen Biogasanlagen als tickende Zeitbomben. Warum?

BAUMERT

: Wir haben immer mehr Fälle, bei denen Störungen in Biogasanlagen auftreten, aber es gibt keine umfassende Prävention. Die Bundesregierung ist zwar seit neun Jahren dabei, etwas in Angriff zu nehmen, aber die Vorsorge bleibt bis jetzt ein Flickenteppich. Diese Vorfälle sind entweder totgeschwiegen worden oder nur von der lokalen Presse vermeldet worden.

FRAGE:

Sie fordern ein Havariekommando und eine Meldepflicht für Störfälle. Was kann denn überhaupt schieflaufen?

BAUMERT

: Einiges. In der Bundesrepublik haben wir zwischen 40 und 60 Störfälle pro Jahr. Die reichen von kleinen Schwächen bei der Auslösung der Alarmeinrichtung, über Risse in Leitungen, wo dann Methan austritt, bis hin zu Unfällen, wie kürzlich in Nordniedersachsen einer passiert ist. Bei dem Vorfall ist ein Flusssystem auf rund zehn Kilometern Länge, die „Veerse“, erstickt worden. Durch Defekte im Pumpsystem war dort ein Gemisch aus Gärresten und Gülle ausgetreten. Das Problem trifft nicht nur die Anlagen selbst, auch die Güllebehälter bergen ein Risiko, da sie platzen können.

FRAGE:

Welche Maßnahmen halten Sie für unbedingt notwendig?

BAUMERT

: Ich möchte nicht falsch verstanden werden – Bioenergie ist der richtige Weg, und wir müssen dafür Akzeptanz in der Gesellschaft schaffen. Das gelingt aber nur, wenn diese absolut sicher ist. Das ist ja auch im Interesse der Biogasbetreiber. Man muss auch daran arbeiten, Ersatz für die Mais-Monokultur zu finden. Jetzt ist es an der Bundesregierung, die entsprechende Gesetzgebung zu schaffen. Eine Maßnahme sind zum Beispiel Schutzwälle oder Gräben, die verhindern, dass sich das Gärsubstrat in Bäche und Flüsse ausbreiten kann. Diese könnten gleich beim Errichten einer neuen Anlage kostengünstig geschaffen und sollten bei Altanlagen nachgerüstet werden, das ist kein großer Aufwand. Wir haben für Kohlekraftwerke intensivere Sicherheitsvorschriften als für Biogasanlagen – und das kann nicht sein.

Uwe Baumert

(68), Bioenergieexperte und stellvertretender Landesvorsitzender des Naturschutzbundes Niedersachsen (NABU), ist aktiv im Bereich Bioenergie auf Regierungsebene in Bund und Land sowie an Universitäten.

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